Von kleinen und unscheinbaren Anfängen

Lebens Liturgien

Folge 137

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Als Teresa nach vielen Reisen wieder einmal in ihrem Kloster in Avila weilt, wartet dort eine Überraschung auf sie:

„Ein Adeliger aus Avila, mit dem ich vorher nie zu tun gehabt hatte, erfuhr davon – wie, weiß ich nicht – dass man ein Kloster von Unbeschuhten Brüdern errichten wollte. So kam er zu mir mit dem Angebot, mir in einem Dörfchen mit einer Handvoll Einwohner ein Haus zu geben. Ich lobte unseren Herrn, obwohl ich mir vorstellen konnte, in welchem Zustand es wohl sein müsse und dankte ihm sehr.“

Genau auf etwas in dieser Richtung wartet Teresa schon seit Monaten, denn zwei Gründungs-Kandidaten gibt es ja schon: den älteren Pater Fray Antonio und den jungen Johannes vom Kreuz, „einen ganzen Mönch und einen halben“, wie Teresa einmal scherzhaft in Anspielung auf die Körpergröße von Johannes vom Kreuz schreibt.

Weil Teresa nicht will, dass Johannes vom Kreuz sich nach einem anderen Klosterprojekt umsieht, handelt sie schnell und bricht alsbald auf, um dieses Haus irgendwo im nirgendwo in Augenschein zu nehmen.

„Wir brachen zwar frühmorgens auf, verirrten uns aber, da wir den Weg nicht kannten. Und da der Ort kaum bekannt ist, gab es nur wenige Hinweise auf ihn. Es war ein Tag, an dem die Sonne heiß brannte. Ich denke immer noch an die Müdigkeit und Orientierungslosigkeit, die wir auf jenem Weg erlebten. So kamen wir kurz vor Einbruch der Nacht an. Als wir ins Haus kamen, war es in einem solchen Zustand, dass wir uns nicht getrauten, wegen des extremen Mangels an Sauberkeit und des zahlreichen Ungeziefers die Nacht dort zu verbringen. Meine Begleiterin konnte es nicht ertragen, dass ich daran dächte, dort das Kloster einzurichten. „Es gibt gewiss keine Menschenseele, Mutter, wie vorbildlich sie auch sein mag, die das aushalten kann.“

Zurück in Medina del Campo spricht Teresa mit ihren beiden Kandidaten und beschreibt ihnen in aller Deutlichkeit, was sie vorgefunden hat. Zu ihrer Überraschung und Freude lassen sich beide von diesen Schilderungen nicht abhalten.

„Wir bestimmten, dass Johannes vom Kreuz sich zum Haus begeben und es so herrichten solle, dass sie irgendwie einziehen könnten. Pater Fray Antonio hatte schon einiges zusammengetragen, was nötig war, obwohl das nicht viel war. Nur mit Uhren war er ausgestattet, von denen er fünf hatte, was ich wirklich lustig fand. Er sagte mir, um das Stundengebet geregelt zu haben. Ich glaube, er hatte noch nicht einmal etwas zum Schlafen. Mit der größten Zufriedenheit der Welt machte er sich zu seinem neuen Häuschen dort auf.“

In den Folgemonaten und -jahren wächst und gedeiht die Gemeinschaft der Mönche dort und Johannes vom Kreuz wird zu einem der größten Mystiker und Poeten des Christentums.

Sehr häufig beginnen die kostbaren und wichtigen Dinge klein und unscheinbar. Gott ist ein Gott der kleinen und unscheinbaren Anfänge. Wo in meinem Leben hat Gott schon solche kleinen und unscheinbaren Anfänge gemacht und was ist daraus geworden?

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.