Spannungen

Lebens Liturgien

Folge 158

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Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

Aus Matthäus, Kapitel 5-7

Jesus sagte: „Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen? Mit welchem Gleichnis können wir es darstellen? Nun: Es ist mit ihm wie mit einem Senfkorn. Das ist das kleinste aller Samenkörner, die man in die Erde sät. Aber wenn es einmal gesät ist, geht es auf und wird größer als alle Gartengewächse und treibt so große Zweige, dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten.

Markus-Evangelium 4, 30-32

„… und treibt so große Zweige, dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten“  

Diese Worte Jesu, die hier so harmlos und unschuldig daherkommen, haben es in sich. Sie verweisen auf ein Bild, mit dem damals die Macht orientalischer Könige beschrieben wurde: der jeweilige König und sein Reich wurden damals gerne im Bild eines riesigen Zedernbaums beschrieben – zum Beispiel im Hesekiel-Buch, Kapitel 31.

Eine königliche Zeder auf dem Libanon: prächtig war ihr Geäst, reichlich ihr Schatten, hoch ihr Wuchs. Ihre Zweige wurden zahlreich, als sie emporwuchs. Und alle Vögel des Himmels nisteten in ihren Zweigen. Und die vielen Nationen wohnten in ihrem Schatten.

Hesekiel 31, 3-6

Wenn Jesus in seinem Gleichnis vom Senfkorn davon erzählt, dass die Vögel des Himmels nun in der Senfkorn-Staude nisten, dann lässt er eine Spannung anklingen, die typisch ist für das Reich Gottes.

Auf der einen Seite ist Gottes Reich nicht von dieser Welt, es funktioniert anders, will etwas anderes: hier wird gedient, nicht geherrscht, das Reich Gottes ist kein politisches System und damit auch keine direkte System-Konkurrenz für Demokratien, Monarchien oder Diktaturen.

Und doch entstehen oft Reibungen, manchmal auch massive Spannungen, wenn Menschen so leben, dass Gottes Reich kommt und sein Wille geschieht. Wenn Menschen Gott mehr gehorchen als ihren Machthabern und deren Regeln. Wenn Prinzipien der Bergpredigt auf weltliche Gesetzmäßigkeiten treffen.

Zwischen der königlichen Zeder auf dem Libanon und der Senfstaude in Gottes Gemüsegarten kann es zu Spannungen kommen.

Eine königliche Zeder auf dem Libanon: prächtig war ihr Geäst, reichlich ihr Schatten, hoch ihr Wuchs. Ihre Zweige wurden zahlreich, als sie emporwuchs. Und alle Vögel des Himmels nisteten in ihren Zweigen. Und die vielen Nationen wohnten in ihrem Schatten.

Hesekiel 31, 3-6

Jesus sagte: „Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen? Mit welchem Gleichnis können wir es darstellen? Nun: Es ist mit ihm wie mit einem Senfkorn. Das ist das kleinste aller Samenkörner, die man in die Erde sät. Aber wenn es einmal gesät ist, geht es auf und wird größer als alle Gartengewächse und treibt so große Zweige, dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten.

Markus-Evangelium 4, 30-32

Nehme ich zur Zeit irgendwo eine bestimmte Spannung wahr zwischen dem, was aktuell politisch gewollt ist, und dem, wie Gott sich Leben vorstellt?

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.