Die Vögel

Lebens Liturgien

Folge 162

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Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

Aus Matthäus, Kapitel 5-7

Das Reich Gottes ist also kein Selbstläufer, es stellt sich nicht einfach so mir nichts dir nichts ein. Das Reich Gottes ist umkämpft und hat mit allerhand Widrigkeiten, ja sogar Feinden zu tun:

Jesus redete lange und erklärte vieles in Gleichnissen. Unter anderem sagte er: „Hört zu! Ein Bauer ging auf den Acker, um zu säen. Beim Ausstreuen fiel ein Teil der Körner auf den Weg. Da kamen die Vögel und pickten sie auf.

Markus-Evangelium 4, 2-3

Als die Zwölf und die anderen Jünger wieder mit Jesus allein waren, fragten sie ihn nach dem Sinn der Gleichnisse. Jesus erklärte: „(…) Der Bauer mit dem Saatgut sät das Wort. Das, was auf den Weg gefallen ist, meint Menschen, die Gottes Botschaft hören. Aber dann kommt gleich der Satan und nimmt ihnen das gesäte Wort wieder weg.

Markus-Evangelium 4, 10.14-15

Das Reich Gottes ist umkämpft und hat mit allerhand Widrigkeiten, ja sogar Feinden zu tun. Was Jesus hier mit Blick auf das Reich Gottes beschreibt, entspricht meiner Wahrnehmung: wie schnell entstehen in einer Gemeinschaft Streit oder Neid. Wie schnell schleichen sich in die eigenen Motive Begierde und Egozentrik. Wie schnell schimpft es sich gegen „die da oben“ in unserer Gesellschaft. Wie schnell lassen Liebe und Achtsamkeit nach – für Gott genauso wie für Ehepartner und Kinder. Es geht so schnell, ein Flügelschlag nur, und schon wird es ein wenig dunkler und kälter – um uns und in uns.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass wir das Gottes gutes Reich, seine kraftvolle, helle Wirklichkeit wieder und wieder suchen, uns nach ihr ausstrecken und uns der Quelle dieser Wirklichkeit aussetzen, also Gott selbst, Christus selbst. Und das kann manchmal durchaus ein Kampf sein, der unsere ganze gedankliche und seelische Kraft braucht.

Helmut Thielicke formuliert das in seiner Auslegung zu diesem Gleichnis entsprechend kämpferisch: „Um gegnerische Mächte haben die Frommen zu allen Zeiten gewusst, und sie haben darum andere Mächte dagegen mobilisiert. Sie haben vor allem die Heilige Schrift betrachtet und haben gebetet. Aber wie haben die Großen des Reiches Gottes das getan! Da war jedes Bibellesen eine Schlacht und jedes Gebet ein Schwertstreich. Warum helfen uns unsere Gebete so oft nicht mehr? Warum sinken sie, kaum zur Zimmerdecke emporsteigend, mit lahmen Flügeln herab? Warum wird uns das Wort Gottes zu einem leeren, langweiligen Wortgeklingel? Weil wir es so lesen, als ob wir eine Zeitschrift überflögen, weil wir so beten, als ob wir mit der Nachbarin schwatzten.“

Wie kann und will ich meine Liebe und Achtsamkeit für Gott und sein gutes Reich stärken?

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.