Freude

Lebens Liturgien

Folge 170

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Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

Aus Matthäus, Kapitel 5-7

Was bringt Menschen eigentlich dazu, Gottes Reich zu suchen und seine Gerechtigkeit? Die Liebe Jesu zu verkörpern: in Wort und Tat? Für andere zu beten? Großzügig zu geben? Frieden zu stiften?

Ist es Pflicht, Auftrag, Gesetz? Braucht es heroischen Kraftaufwand?

Jesus erzählt anders davon:

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Der Mann freute sich so sehr, dass er, nachdem er den Schatz wieder vergraben hatte, alles verkaufte, was er besaß, und dafür den Acker kaufte. Mit dem Himmelreich ist es auch wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte dafür diese eine Perle.

Matthäus-Evangelium 13, 44-46

Wenn ich versuche, mir die beiden Finder vorzustellen, sehe ich vor Glück leuchtende Gesichter und eine tiefe Begeisterung. Beide sind hingerissen vom Glanz des Schatzes und dem Schimmern der Perle. Beide sind tief ergriffen von der Ahnung, dass dieser Fund eine einmalige Gelegenheit ist, ein Wendepunkt ihres Lebens. Mit beinahe schwereloser Leichtigkeit und einer tiefen inneren Freude verkaufen sie, was sie besitzen und setzen alles auf eine Karte.

Was bringt Menschen dazu, Gottes Reich zu suchen und seine Gerechtigkeit? Die Liebe Jesu zu verkörpern: in Wort und Tat? Für andere zu beten? Großzügig zu geben? Frieden zu stiften?

Es ist die Freude. Die Freude darüber, wie kostbar, gut und durch und durch erstrebenswert dieses himmlische Reich ist. Es ist das tiefe Begreifen, dass Gerechtigkeit, Liebe, Großzügigkeit und Demut so kostbar sind wie nichts sonst. Dass Gott selbst, dass Christus selbst so kostbar ist wie nichts sonst.

Der alte Kirchenvater Augustinus erzählt von seinem beglückenden Perlen-Fund so:

Spät habe ich Dich geliebt, o göttliche Schönheit,
so uralt und so neu, spät habe ich Dich geliebt!
Und siehe, Du warst in mir.
Ich aber suchte Dich draußen,
stürzte mich in meiner Hässlichkeit
auf die schönen Dinge dieser Welt.
Du warst bei mir,
ich aber war nicht bei Dir.
Da riefst du laut und lauter und durchbrachst meine Taubheit.
Da schimmertest du strahlend und strahlender und zerschlugst meine Blindheit.
Du hast mich in deinen Wohlgeruch eingehüllt.
Ich habe dich eingeatmet und nun sehne ich mich nach dir.

In der Stille gebe meiner Freude an Gott, meiner Liebe zu ihm und meiner Sehnsucht nach ihm Raum.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.