Finde-Freude

Lebens Liturgien

Folge 183

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Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

Das mit dem Reich Gottes ist also – wie wir in den letzten 26 Folgen gemerkt haben – eine komplexe Geschichte. Es beginnt winzig klein, kann aber gewaltige Ausmaße annehmen. Es kann unglaublich viel Frucht bringen, aber auch verdorren oder ersticken. Es braucht unser ganzes Mittun und kommt doch von ganz alleine. Es ist reines Geschenk und fordert doch ganzen Lebenseinsatz. In ihm ist für alle gesorgt und doch bleibt es oft ungerecht – zumindest hier auf Erden.

Apropos ungerecht: Ungerechtigkeit und Einseitigkeit, genau das war eines der zentralen Dinge, die die religiöse Elite damals Jesus vorwarf. Jesus war so furchtbar oft bei denen zu finden, die es am wenigsten verdient hatten:

Jesus war ständig umgeben von Zolleinnehmern und anderen Leuten, die als Sünder galten; gerade sie wollten ihn hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten waren darüber empört. »Dieser Mensch gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen!«, sagten sie.

(Lukas-Evangelium 15,1f.)

Normalerweise reagiert Jesus auf solch pharisäische Angriffe selbst angriffslustig. Hier jedoch versucht er, die Angreifer zu gewinnen, sie mit hineinzunehmen in seine Perspektive, in sein Fühlen und Handeln.

Da erzählte ihnen Jesus folgendes Gleichnis: »Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ›Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.‹ Ich sage euch: Genauso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.«

(Lukas-Evangelium 15, 3-7)

Es gibt meines Erachtens zwei Gründe, warum man nach etwas sucht. Entweder hat das Verlorene einen ökonomischen Wert (davon erzählt Jesus uns im anschließenden Gleichnis von dem verlorenen Groschen), oder aber wir hängen irgendwie an dem, was verloren gegangen ist: ein Kuscheltier von früher, der erste Liebesbrief, unser Lieblings-Buch, … Wenn uns etwas wirklich ans Herz gewachsen ist, tun wir uns schwer, wenn es plötzlich verschwindet.

Auf den ersten Blick ist hier beim Hirten weder das eine noch das andere der Fall. Weder ist das eine Schaf ökonomisch so bedeutsam, dass sich eine aufwendige Suche lohnt, noch wird der Hirte eine hohe emotionale Bindung zu jedem einzelnen seiner hundert Schafe gehabt haben. Jesus erklärt (zumindest an dieser Stelle) mit keinem Wort, warum der Hirte sich zu seiner großen Suche aufmacht, sondern konzentriert sich ganz auf das Finden. Das Finden und die Freude darüber. Sie sind der Antrieb für Jesu Reich-Gottes-Mission:

Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ›Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.‹ Ich sage euch: Genauso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.

(Lukas-Evangelium 15, 3-7)

Wann habe ich das letzte Mal intensiv und erfolgreich nach etwas Verlorenem gesucht – vielleicht nach meinem Geldbeutel oder meinem Handy? In der Stille empfinde ich dieses Suchen noch einmal nach – inklusive der großen Erleichterung und der Finde-Freude am Ende.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.