Die arme Frau

Lebens Liturgien

Folge 187

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Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

Das verlorene Schaf und die verlorene Silbermünze: Jesus erzählt mit diesen beiden Gleichnissen von seiner eigenen Such-Leidenschaft und seiner Finde-Freude. In Gleichnis vom verlorenen Schaf wählt er mit dem suchenden und findenden Hirten ein recht klassisches theologisches Bild. „Der Herr ist mein Hirte …“ Es fällt leicht, Jesus mit dem Hirten zu identifizieren.

In seinem zweiten Gleichnis tut er dagegen etwas Seltsames: er erzählt von seiner Such-Leidenschaft und seiner Finde-Freude in der Gestalt einer armen Frau. Das ist zutiefst ungewöhnlich:

Oder wie ist es, wenn eine Frau zehn Silbermünzen hat und eine davon verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat?

(Lukas-Evangelium 15,8)

Ich möchte heute mal nur an dieser einen Beobachtung stehen bleiben. Jesus erzählt von sich selbst, von seinem großen Suchen und Finden in der Gestalt einer armen, gerade einmal zehn Silbermünzen besitzenden Frau, die in einer dunklen, fensterlosen Hütte ihr Dasein fristet.

Ich behaupte: Jesus tut das absichtlich. Er verteidigt seinen bevorzugten Aufenthaltsort bei den Armen, den Kranken und den Randsiedlern, indem er von der Münz-Suche einer armen Frau erzählt. Jesus irritiert absichtlich. Ich vermute: um an allzu gewissen Gottesbildern zu rütteln und an allzu gewissen Überzeugungen, wie gelungenes, richtiges, gutes Leben auszusehen hat. Jesus will, dass wir es uns mit dem Reich Gottes und mit Gott nicht zu einfach machen. Dass wir innerlich so wach und geistlich beweglich sind, dass wir Gott sowohl durch die Linse eines Hirten wie auch durch die Linse einer armen Frau entdecken können. Dass wir erkennen, wie unfassbar viele Seiten und Eigenschaften Gott hat.

Welche Seite Gottes habe ich in der letzten Zeit neu entdeckt? Wo hat Gott mich überrascht? In der Stille komme ich mit Gott darüber ins Gespräch.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.