Ein Sturm braut sich zusammen – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 142

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Im Mai 1572 holt Teresa Johannes vom Kreuz aus seinem Kloster zu sich nach Avila, um in der geistlichen Erziehung der Schwestern eine Unterstützung zu haben. In den nächsten Jahren setzt sie ihn zusätzlich überall da ein, wo sie ihre Reformen in Gefahr sieht.

Als sie erfährt, dass im Männerkloster in Pastrana ein Mönch die Leitung übernommen hat, der seinen Novizen Schläge auf den nackten Rücken verabreichen lässt, um ihre Leidensfähigkeit zu prüfen, schickt Teresa ihren Vertrauten Johannes. Dessen Eingreifen ist es zu verdanken, dass einer der dortigen jungen Novizen sein Noviziat nun doch nicht abbricht. Sein Name: Jerónimo Gracián, ein kluger junger Mann mit freundlichem und einnehmendem Wesen.

Nur ein Jahr später, nach dem Ablegen seines Gelübdes, wird Jerónimo Gracián – ein unfertiger, 28-jähriger Mönch – zum Apostolischen Visitator des Ordens der unbeschuhten Karmeliten in der Provinz Andalusien ernannt … und gerät damit hinein in eine gefährliche, hochpolitische Auseinandersetzung zwischen dem spanischen Königshof und dem Vatikan in Rom, zwischen dem Zweig der unbeschuhten Karmeliten, deren Herz ganz in Spanien schlägt  und dem unreformierten Stammorden, der von Rom aus geleitet wird.

Der Hintergrund dieses Konflikts ist: König Philipp II. von Spanien will nicht nur Spanien regieren, sondern auch die spanische Kirche reformieren. In diesem Zuge beginnt er, den großen, traditionsreichen Stammorden der Karmeliten in Spanien immer mehr ins Abseits zu stellen und durch den reformierten Zweig der unbeschuhten Karmeliten rund um Teresa und Johannes vom Kreuz zu ersetzen.

Ohne Absprache mit dem römischen Generaloberen Rossi, der Teresa sieben Jahre zuvor die Gründung reformierter Frauen- und Männerklöster erlaubt hat, ernennt der spanische König nun eigene Visitatoren für die spanischen Klöster. Diese beginnen, zunehmend reformierte Männer und Frauen auf wichtige Posten in bis dahin unreformierten Klöstern einzusetzen, wodurch es zu massiven Spannungen in vielen Klöstern kommt. Teresa scheint davon wenig zu spüren. Mit Blick auf ein solches Vorgehen im Männerkloster von Avila schreibt sie zufrieden:

„Für das hiesige Kloster wurden Prior, Subprior, Pförtner und Sakristan durch Unbeschuhte ersetzt, und hier wirkt nun ein Heiliger als Beichtvater. Er hat großen Nutzen gebracht, und dies alles ist nach meinem Geschmack. Das war großartig und ich hoffe im Herrn, dass es so bleibt.“

Als Jeronimo Gracian und Teresa nun auch noch beginnen, gegen den erklärten Willen des Generaloberen Rossi, in einer neuen spanischen Provinz (in Andalusien) zu wirken und Klöster zu gründen, nutzen wichtige Männer aus dem unreformierten Teil des Ordens dessen Verärgerung. Auf einer Versammlung der leitenden Männer des Karmeliterordens werden weitreichende Entscheidungen gegen die Reformbewegung beschlossen: alle Männerklöster, die ohne die Erlaubnis des Ordensoberen gegründet wurden, sind aufzulösen. Sogenannte „ungehorsame Söhne“ wie Jerónimo Gracián und Johannes vom Kreuz sollen ihrer Ämter enthoben und exkommuniziert (also aus der Kirche ausgeschlossen) werden. Und Teresa bekommt den Befehl, sich in ein Kloster ihrer Wahl zurückzuziehen und dieses Kloster nicht mehr zu verlassen.

Ich lasse all das komplexe Gezerre noch einmal auf mich wirken. Ich mache mir klar, dass Kirche nie völlig unabhängig von Politik und Machtstreben ist. In der Stille trete ich vor Gott für die ein, die meine Kirche leiten und bitte um ein weises, geistliches Herz.

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.

Ein Sturm braut sich zusammen – Teil I

Lebens Liturgien

Folge 141

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Als Teresa etwa sechzig Jahre alt ist, geschehen auf verschiedenen Ebenen eine ganze Reihe von Dingen, die ihr Lebenswerk zu zerstören drohen.

Eine massive Schwierigkeit taucht in ihrer Klostergründung in Pastrana auf. Dass es dort überhaupt ein Kloster gibt, ist bereits das Resultat von Schwierigkeiten. Denn eines Tages steht eine vornehme Karosse vor Teresas Haus und ein Bote, der Teresa nachdrücklich einlädt an den Hof der jungen Prinzessin Eboli: schön, einäugig, klug, stolz, herrschsüchtig und intrigant. Diese will auf ihrem Gebiet nun endlich auch so ein Kloster von der Frau gegründet haben, über die ganz Spanien spricht. Teresa gibt dem Drängen nach, sichert dem Kloster ein finanzielles Auskommen aus dem Geldbeutel der Prinzessin und übersteht eine Machtprobe, als die Prinzessin die Aufnahme einiger Frauen in das Kloster erzwingen will, die Teresa für ungeeignet hält. In den ersten Jahren entwickelt sich das Kloster gut.

„Was die Schwestern anbelangt, erfuhr deren dortiges Kloster große Gunst und von Seiten der Prinzessin viel Zuwendung in Form von Geschenken und guter Behandlung.“

Dann aber stirbt der Fürst von Eboli. Seine hochschwangere Frau, die Prinzessin von Eboli, packt voller Trauer einige Sachen zusammen, kleidet sich in eine verschlissene Kutte und taucht zusammen mit ihrer Mutter und einigen Dienerinnen vor der Pforte des Karmeliterinnenklosters auf und bittet um Aufnahme als einfache Nonne. Als die dortige Priorin informiert wird, ruft sie aus: „Wie sind verloren!“ und behält recht. Anfangs fügt sich die Prinzessin in die Regeln des Klosterlebens, dann aber fordert sie Sonderbehandlungen und reagiert wütend und stolz, als die Priorin ihr diese verweigert.

„Die gute Behandlung währte, bis die Prinzessin nach dem Tod des Fürsten dort eintrat, verursacht durch den Bösen oder vielleicht auch, weil der Herr es erlaubt hat (seine Majestät weiß warum).“

Schließlich zieht die Prinzessin – wütend und rachsüchtig – wieder zurück in ihren Palast und beginnt, die Schwestern von dort aus mit großem Einfallsreichtum zu schikanieren. Als dies immer unerträglicher wird, beschließt Teresa zu handeln. Sie gründet in etwa 150 Kilometern Entfernung, ein neues Kloster und lässt in einer Nacht- und Nebelaktion alle Schwestern aus Pastrana fortziehen, um dort ein neues Zuhause zu finden.

„Sie zogen nach dorthin um und ließen alles, was die Prinzessin ihnen gegeben hatte, zurück. Auch die Leute des Ortes ließen sie voll Trauer zurück. Ich jedoch erlebte die größte Freude der Welt, als ich sie nun unbehelligt wusste, denn ich war gut informiert, dass sie an dem Ärger der Prinzessin ganz schuldlos waren.“

Als die Prinzessin von dieser Aktion erfährt, ist sie tief in ihrer Ehre verletzt. Sie empfindet die Auflösung des Klosters als Verrat und wandelt sich zu einer Feindin Teresas. Es gelingt ihr, an wichtige, nichtöffentliche autobiografische Schriften Teresas zu kommen und spielt diese der Inquisition mit dem Hinweis zu, dass diese Notizen eine gefährliche Lehre enthalten.

Gibt es einen solchen Feind, also einen Menschen, der mir bewusst schaden will, auch in meinem Leben? Falls nicht, danke ich Gott von Herzen dafür. Falls doch, versuche ich mich an Jesu Gebot der Feindesliebe und ringe mich zu einem kurzen Segensgebet für diese Person durch – und bete zugleich für mich um Gottes Schutz.

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.

Eine Klostergründung mit Hindernissen

Lebens Liturgien

Folge 140

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

In Toledo, auch das „spanische Rom“ genannt, will Teresa ihr nächstes Kloster gründen. Toledo ist bereits voller Kirchen und Klöster und die Klostergründung steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Toledo ist eine stolze Stadt mit enger Verbindung von religiöser Tradition und sozialer Ehre und Teresa gerät mitten hinein in den alten Konflikt zwischen altehrwürdigen christlichen Bürgern und sogenannten „Conversos“, also ehemaligen Juden, die sich – oft unter dem Druck der Inquisition – erst spät dem Christentum zugewandt haben.

Der Gönner, der Teresa eingeladen hat, stammt aus einer solchen Conversos-Familie und die adeligen Familien Toledos sehen es nicht gerne, wenn ein Conversos als frommer Stifter auftritt. Aus diesem Grund findet die Stifter-Familie nirgends ein Haus, das sie Teresa als Kloster anbieten kann. Auch die örtliche Erlaubnis der Kirche fehlt ihr, weil der zuständige Diözesanverwalter den Zorn der Stadt-Elite fürchtet. Irgendwann reißt Teresa der Geduldsfaden.

„Es waren nun schon mehr als zwei Monate, dass man sich darum bemühte und jeden Tag ging es schlechter. So entschloss ich mich, mit dem Diözesanverwalter zu sprechen und ließ ihn bitten, dass er sich zu einer Unterredung mit mir herbeilasse. Als ich mich ihm gegenübersah, sagte ich ihm, dass es unerträglich sei, wenn es da Frauen gebe, die in großer Strenge, Vollkommenheit und Zurückgezogenheit leben wollten und diejenigen, die nichts dergleichen am Hut hätten, sondern sich in Behaglichkeit ergingen, Werke behelligen wollten, die für unseren Herrn ein so großer Dienst sind. Dieses und noch vieles andere sagte ich ihm mit großer Entschlossenheit, die mir der Herr gab, derart, dass es ihm zu Herzen ging, und er mir die Erlaubnis gab, noch bevor ich wegging.“

Als ein junger Mann für Teresa überraschend doch ein geeignetes Haus findet, das Teresa zumindest mieten kann, verliert Teresa – wieder einmal – keine Zeit:

„Da uns das Haus zusagte, gab ich gleich den Auftrag, die Besitzergreifung durchzuführen, noch bevor im Haus etwas gemacht würde, damit nicht noch etwas dazwischenkäme. Wir suchten geliehenes Gerät zur Feier der Messe und begaben uns mit einem Handwerker bei Einbruch der Nacht dorthin. Bei großer Angst meinerseits waren wir die ganze Nacht mit dem Herrichten beschäftigt. Als wir alles so weit hatten und der Morgen schon zu grauen begann, begannen wir, die zugemauerte Tür, die zu einem winzig kleinen Innenhof führte, durchzubrechen. Als nun einige Frauen im angrenzenden Häuschen, noch im Bett liegend, Schläge hörten, standen sie ganz verschreckt auf. Wir hatten ziemlich zu tun, um sie zu besänftigen.“

Als die Besitzerin des Hauses von all dem hört – vor allem davon, dass hier ein Kloster entstanden ist –, ist sie empört und beruhigt sich erst, als Teresa durchblicken lässt, dass sie bereit wäre, das Haus für einen guten Preis zu kaufen. Doch kaum ist diese Aufregung überstanden, entrüsten sich die adligen Herren vom Stadtrat über das Geschehen.

„Als die Herren vom Stadtrat erfuhren, dass wir ein Kloster errichtet hatten, wurden sie ganz wild und gingen zum Haus eines Kirchenmannes und sagten ihm, sie würden ein Donnerwetter anrichten. Sie waren entsetzt über eine solche Unverfrorenheit, dass ihnen ein Weiblein gegen ihren Willen ein Kloster da hinstellt. Der Kirchenmann, den ich vorher heimlich eingeweiht hatte, besänftigte sie, so gut er konnte.“

Gibt es einen Bereich in meinem Leben, in dem Gott mich zu einer ähnlichen Entschlossenheit und Hartnäckigkeit ruft, wie Teresa in Toledo?

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.

„Auch wenn es Nacht ist“: Johannes vom Kreuz – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 139

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Für Johannes sind Zeiten der Dunkelheit und Leids Zeiten, in denen Gott unser Leben und unsere Liebe zu ihm reinigt.

„Wenn die Glasscheibe so manche Schmutz- oder Dunstschleier hat, kann der Sonnenstrahl sie in seinem Licht nicht ganz und gar zum Leuchten bringen und sich gleich gestalten, wie wenn sie von all diesen Schmutzflecken sauber und durchsichtig wäre. So wie diese Glasscheibe ist die Menschenseele, auf die das göttliche Licht immerfort stößt, oder besser gesagt, in der das göttliche Licht wohnt.“

Neun Monate nach seiner Gefangennahme gelingt Johannes die Flucht aus seinem Gefängnis. Es folgen verantwortungsvolle Jahre in Leitungsämtern im Orden der unbeschuhten Karmeliten, verbunden mit Seelsorge und schriftstellerischen Phasen. Dann, ein erneuter Angriff auf ihn: Johannes wird aller Verantwortungen enthoben und soll aus dem Orden ausgestoßen werden. Im Alter von 49 Jahren zieht sich Johannes als einfacher Mönch in ein einsames Kloster zurück, wo er bald schwer erkrankt und schließlich stirbt.

„Wie gut weiß ich den Quell, der entspringt und strömt,
auch wenn es Nacht ist.

Jener ewige Quell ist verborgen,
doch weiß ich, dass aller Ursprung aus ihm stammt,
auch wenn es Nacht ist.

Ich weiß, dass nichts Schöneres sein kann,
und dass Himmel und Erde von ihm trinken,
auch wenn es Nacht ist.

Seine Klarheit wird niemals verdüstert,
und ich weiß, dass ihm alles Licht entsprungen ist,
auch wenn es Nacht ist.

Dieser ewige Quell ist verborgen
in dem lebendigen Brot, um uns Leben zu geben
auch wenn es Nacht ist.

Er ruft herbei die Geschöpfe
und sie sättigen sich an diesem Wasser
auch im Dunkeln, da es ja Nacht ist.

Diesen lebendigen Quell, den ich ersehne,
in diesem Brot des Lebens erblicke ich ihn schon,
wenn es auch Nacht ist.“

In der Stille lasse ich diese Worte und das Leben von Johannes vom Kreuz auf mich wirken.

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.

Johannes vom Kreuz – Teil I

Lebens Liturgien

Folge 138

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Ab dem Jahr 1567 sind Teresa und Johannes vom Kreuz Freunde, Weggefährten und später auch Leidensgefährten. Deshalb an dieser Stelle ein kurzer Blick auf Johannes vom Kreuz.

Johannes wächst in ärmlichen Verhältnissen auf und verliert mit neun Jahren seinen Vater. Als Kind lernt er weder lesen noch schreiben und wird schließlich Pfleger in einem Armenkrankenhaus. Zu dieser Zeit besucht er nebenbei Kurse im örtlichen Kolleg der Jesuiten und bildet sich. Dort zeigt sich seine Hochbegabung – gerade auch im spirituellen Bereich: Johannes ist ein Mann mit einer tiefen sehnsuchtsvollen Liebe zu Gott. Er studiert Theologie und Philosophie, sein besonderes Interesse gilt der Poesie und der Mystik.

Johannes wird zum Priester geweiht und sucht intensiv nach seinem Platz. Als er sich gerade dafür entscheiden will, in den strengen Schweigeorden der Karthäuser einzutreten, begegnet er Teresa. Sie gewinnt ihn für den Plan, den Karmel-Orden zu reformieren. So wird aus Johannes der Novizenmeister des ersten Männerklosters der unbeschuhten Karmeliten – und kurz darauf der geistliche Begleiter von unzähligen Schwestern, Priestern und Laien.

Dann eskaliert der Streit zwischen dem Stammorden der Karmeliten und seinem „unbeschuhten“ Reformzweig – wir werden in diesem Podcast noch davon hören. Johannes wird von Gegnern entführt und neun Monate lang in einer winzigen Kammer eingekerkert: ohne Kleiderwechsel, Tageslicht und menschlichen Kontakt.

„Bring mich heraus aus diesem Tod, mein Gott und gib mir das Leben;
halt mich nicht fest in dieser so harten Schlinge. Sieh, wie ich leide, um dich zu sehen.“

Diese Zeit erlebt Johannes als Zeit des Schreckens – und als eine Zeit der Reinigung. Dort, im Kerker, erfährt er Dunkelheit, die dunkle Nacht der Seele. Und er erfährt durch diese Dunkelheit hindurch die Gegenwart Gottes. Johannes spürt, dass Gott in dieser furchtbaren Zeit seinen Glauben läutert. Wobei: zuerst einmal spürt er, dass sein Glaube fast zerbricht. Alles in ihm sehnt sich nach Gott, nach Gottes beglückender Gegenwart, nach seinem Eingreifen. Aber nichts davon geschieht. Johannes‘ Gebetszeiten bleiben trocken und kalt, seine Situation unverändert und unerträglich.

Im Aushalten dieser Dunkelheit erkennt er, wie sehr er sich an Gottes beglückende Gegenwart gewöhnt hat. Er, der bis dahin viele ähnlich tiefe mystische Gebetserfahrungen wie Teresa gemacht hat, erkennt: allzu oft hat er im Gebet nicht Gott selbst gesucht, sondern den Frieden und das Glück, die mit Gottes Gegenwart einhergehen. Nun aber, mitten in seiner tiefen Seelen-Nacht, schärft sich seine Liebe und seine Sehnsucht zu Gott.

„Meine Augen möchten dich gerne schauen, denn du allein machst sie sehend und hell,
nur für dich allein sollen sie leuchten.
Enthülle mir deine Anwesenheit, auch wenn mich der Anblick deiner Schönheit tötet.
Du siehst die Schmerzen der Liebe, die man durch nichts heilen kann
als durch deinen Anblick und deine Gegenwart.“

Wieviel meiner Liebe und Sehnsucht zu Gott richtet sich in Wirklichkeit eher auf seine guten Gaben als auf Gott selbst? In der Stille – und gemeinsam mit Gott – versuche ich dafür ein Gefühl zu bekommen.

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.

Von kleinen und unscheinbaren Anfängen

Lebens Liturgien

Folge 137

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Als Teresa nach vielen Reisen wieder einmal in ihrem Kloster in Avila weilt, wartet dort eine Überraschung auf sie:

„Ein Adeliger aus Avila, mit dem ich vorher nie zu tun gehabt hatte, erfuhr davon – wie, weiß ich nicht – dass man ein Kloster von Unbeschuhten Brüdern errichten wollte. So kam er zu mir mit dem Angebot, mir in einem Dörfchen mit einer Handvoll Einwohner ein Haus zu geben. Ich lobte unseren Herrn, obwohl ich mir vorstellen konnte, in welchem Zustand es wohl sein müsse und dankte ihm sehr.“

Genau auf etwas in dieser Richtung wartet Teresa schon seit Monaten, denn zwei Gründungs-Kandidaten gibt es ja schon: den älteren Pater Fray Antonio und den jungen Johannes vom Kreuz, „einen ganzen Mönch und einen halben“, wie Teresa einmal scherzhaft in Anspielung auf die Körpergröße von Johannes vom Kreuz schreibt.

Weil Teresa nicht will, dass Johannes vom Kreuz sich nach einem anderen Klosterprojekt umsieht, handelt sie schnell und bricht alsbald auf, um dieses Haus irgendwo im nirgendwo in Augenschein zu nehmen.

„Wir brachen zwar frühmorgens auf, verirrten uns aber, da wir den Weg nicht kannten. Und da der Ort kaum bekannt ist, gab es nur wenige Hinweise auf ihn. Es war ein Tag, an dem die Sonne heiß brannte. Ich denke immer noch an die Müdigkeit und Orientierungslosigkeit, die wir auf jenem Weg erlebten. So kamen wir kurz vor Einbruch der Nacht an. Als wir ins Haus kamen, war es in einem solchen Zustand, dass wir uns nicht getrauten, wegen des extremen Mangels an Sauberkeit und des zahlreichen Ungeziefers die Nacht dort zu verbringen. Meine Begleiterin konnte es nicht ertragen, dass ich daran dächte, dort das Kloster einzurichten. „Es gibt gewiss keine Menschenseele, Mutter, wie vorbildlich sie auch sein mag, die das aushalten kann.“

Zurück in Medina del Campo spricht Teresa mit ihren beiden Kandidaten und beschreibt ihnen in aller Deutlichkeit, was sie vorgefunden hat. Zu ihrer Überraschung und Freude lassen sich beide von diesen Schilderungen nicht abhalten.

„Wir bestimmten, dass Johannes vom Kreuz sich zum Haus begeben und es so herrichten solle, dass sie irgendwie einziehen könnten. Pater Fray Antonio hatte schon einiges zusammengetragen, was nötig war, obwohl das nicht viel war. Nur mit Uhren war er ausgestattet, von denen er fünf hatte, was ich wirklich lustig fand. Er sagte mir, um das Stundengebet geregelt zu haben. Ich glaube, er hatte noch nicht einmal etwas zum Schlafen. Mit der größten Zufriedenheit der Welt machte er sich zu seinem neuen Häuschen dort auf.“

In den Folgemonaten und -jahren wächst und gedeiht die Gemeinschaft der Mönche dort und Johannes vom Kreuz wird zu einem der größten Mystiker und Poeten des Christentums.

Sehr häufig beginnen die kostbaren und wichtigen Dinge klein und unscheinbar. Gott ist ein Gott der kleinen und unscheinbaren Anfänge. Wo in meinem Leben hat Gott schon solche kleinen und unscheinbaren Anfänge gemacht und was ist daraus geworden?

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.

Kühnheit und Glaube

Lebens Liturgien

Folge 136

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Noch während Teresa zusammen mit ihren sieben Mitschwestern im oberen Stockwerk der Kaufmanns-Villa in Medina wohnt und auf die Fertigstellung ihres Klosters dort wartet, beschäftigt sie sich bereits mit der nächsten Gründung – diesmal sogar mit der Gründung eines Männer-Klosters. Denn vom Generaloberen aus Rom hat Teresa bei dessen Besuch in Avila vor einigen Monaten ausdrücklich die Aufforderung bekommen, auch im Männer-Bereich reformierte, „unbeschuhte“ Karmeliter-Klöster zu gründen.

Dass allerdings eine Frau Männerkloster gründet, ist nicht nur vollkommen ungewöhnlich, sondern – in den Augen der damaligen Zeit – sogar anstößig. Außerdem braucht sie hierfür nicht nur einen Ort und ein Haus, sondern auch (und vor allem) ein paar Karmeliter-Brüder, die ein solches Reformkloster in ihrem Sinn aufbauen und leiten.

„Meine Sorge wuchs, als ich erkannte, dass es in der Provinz keinen Bruder gab, um ein solches Kloster ins Werk zu setzen. So tat ich nichts anderes als den Herrn zu bestürmen, dass er wenigstens einen Menschen dazu aufrüttelte. Ein Haus hatte ich genauso wenig, noch etwas, um eines zu erwerben. Da stand ich also da, eine armselige Unbeschuhte Nonne, ohne Hilfe von irgendwo her, außer der vom Herrn, beladen mit Vollmachten und guten Wünschen, aber ohne irgendeine Möglichkeit, sie ins Werk zu setzen!“

Mit der Zeit allerdings finden sich zwei Männer. Der eine: ein älterer, fast sechzigjähriger Pater, der sich Teresa beinahe aufdrängt. Der andere: ein junger Karmelit, kaum anderthalb Meter groß, mit kahlem Kopf und schmächtigem Körper. Und mit einer ungeheuren Ausstrahlung und spirituellen Begabung. Sein Name: Juan, später Juan de la Cruz, Johannes vom Kreuz.

„Als ich mit ihm sprach, gefiel er mir sehr. Ich sagte ihm, was ich vorhatte und bat ihn inständig zu warten, bis der Herr uns ein Kloster gäbe. Er gab mir sein Wort, es so zu machen, wenn es nur nicht zu lange dauerte. Schon erschien mir alles gut möglich.  

O Größe Gottes! Wie zeigt sich deine Macht darin, einer Ameise Kühnheit einzuflößen! Und wie liegt es nicht an dir, mein Herr, sondern vielmehr an unserer Feigheit und unserem Kleinmut, dass diejenigen, die dich lieben, keine großen Werke vollbringen! Da wir uns mit unseren tausend Ängsten und menschlichen Rücksichten nie entschließen, wirkst du, mein Gott, deine Wunder und Großtaten nicht Wer ist denn mehr Freund des Gebens, wenn er nur wüsste, wem?“

Könnte es in meinem Leben ein Werk geben, das Gott durch mich tun will – für das er allerdings meine Kühnheit und meinen Glauben braucht? In der Stille frage ich Gott danach …

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.

Geduld und Beharrlichkeit

Lebens Liturgien

Folge 135

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

So außergewöhnlich und gesegnet Teresas Leben von Gott her auch gewesen sein mag: richtig schnell und einfach ging eigentlich nie etwas. So auch bei ihrer zweiten Klostergründung.

Als Teresas Pläne von der Gründung weiterer Klöster bekannt werden, reagiert Avila wie immer: fast alle erklären Teresa für verrückt. Eine Nonne, die herumreist und an verschiedenen Orten Klöster gründet – unvorstellbar! Aber auch Teresa reagiert wir immer – und macht einfach ihr Ding. Im Morgengrauen des 13. August bricht Teresa mit sieben Mitschwestern und einem befreundeten Priester auf in Richtung Medina del Campo. Dort haben einige alte Freunde Teresa ein Haus organisiert, das sie zum Kloster umbauen will. Schon am Abend jedoch, noch auf halber Strecke, kündigen sich Schwierigkeiten an.

„Als wir am ersten Reisetag, spät abends und wegen der schlechten Reiseausrüstung, die wir hatten, ermüdet ankamen, kam uns ein Geistlicher entgegen, ein Freund von uns. Er flüsterte mir zu, dass wir in Medina kein Haus hätten, weil es nämlich in der Nähe des Augustinerklosters lag und diese sich unserem Einzug dort widersetzten. Du lieber Gott! Wenn du, Herr, Mut verleihst, wie wenig bringen dann alle Widersprüche fertig! Es scheint mich eher ermutigt zu haben, da ich glaubte, dass dem Herrn in jenem Kloster gedient werden müsse, wenn der Böse schon mit seiner Unruhe einsetzte.“

Die Gruppe zieht also weiter. Um Mitternacht des nächsten Tages kommen sie in Medina an. Da Teresa kein Aufsehen erregen will und gerne schnell handelt, ziehen sie noch in der Nacht zum versprochenen Haus. Obwohl es noch dunkel ist, erahnen die Schwestern, dass es sich bei diesem Haus eher um eine Ruine handelt. Dennoch feiern die übermüdeten Schwestern im Morgengrauen die erste Messe an diesem Ort.

„Als die Messe jedoch zu Ende war, gelang es mir, durch eine Art Fensterchen in den Innenhof zu spähen, und da sah ich, dass stellenweise sämtliche Mauern eingestürzt waren, so dass es Tage dauern würde sie wieder herzurichten. Hinzu kamen noch alle Schwierigkeiten, die jene uns bereiten konnten, die viel dagegen gewettert hatten, und ich erkannte klar, dass sie recht hatten. Es schien mir unmöglich, mit dem, was ich angefangen hatte, weiterzumachen.“

Lange aber dauert Teresas Verzagtheit nicht an. Wieder einmal stellt sich Gott zu seiner Berufung und wieder einmal lässt Teresas Persönlichkeit aus anfangs skeptischen Menschen schnell Freunde und Unterstützer werden. Nachbarn bringen Essen und Almosen, und eine vornehme Dame erklärt sich bereit, die Kosten für die Bauarbeiten zu tragen. Und dann geschieht folgendes:

„Als nach acht Tagen ein Kaufmann, der in einem sehr schönen Haus wohnte, unsere Notlage bemerkte, sagte er uns, wir sollten bei ihm in das obere Stockwerk ziehen, wo wir wie im eigenen Haus leben könnten. Es gab dort einen sehr großen, Gold verzierten Saal, den er uns als Kirche gab. Daraufhin begann ich mich zu beruhigen, denn dort, wo wir hingingen, lebten wir in voller Klausur, und wir begannen das Stundengebet zu verrichten.“

Nach gut zwei Monaten dann ist es soweit und die Schwestern können ihr neues Kloster beziehen. Über die kommenden Monate schreibt Teresa:

„Die Schwestern gewannen bei den Leuten immer mehr Vertrauen, und diese fassten große Zuneigung zu ihnen. In allem lebten sie so wie in San José zu Avila. Der Herr begann einige aus Medina zu rufen, die den Habit nahmen; und die Gnaden, die er ihnen erwies, waren so zahlreich, dass ich erstaunt war. Es sieht so aus, als warte er nur darauf, geliebt zu werden, um zu lieben. Er sei für immer gepriesen. Amen.“

Gibt es Entwicklungen in meinem Leben, bei denen ich mir wünsche, sie würden schneller und einfacher vorwärts gehen? In der Stille mache ich mir klar, dass Gott ein anderes Zeitgefühl als ich hat und dass gut Ding oft Weile haben will.

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.

Äußere Umstände

Lebens Liturgien

Folge 134

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Während der Jahre des stillen Betens in ihrem kleinen, selbstgegründeten Kloster San José wächst in Teresa die Ahnung, dass da draußen in der Welt möglicherweise noch ein Auftrag auf sie warten könnte. Jesus selbst bestärkt diese Ahnung durch ein großes Versprechen:

„Eines Nachts, als ich beim inneren Beten war, erwies mir unser Herr viel Liebe, wie um mich trösten zu wollen, und sprach: ‚Warte ein Weilchen, Tochter, und du wirst große Dinge erleben.‘“

Fünf Jahre nach der Gründung ihres Klosters ist es dann soweit. Gott ruft sie durch äußere Umstände aus ihrer aktuellen Situation heraus und beauftragt sie mit weiteren Klostergründungen. Der normalerweise in Rom residierende Ordensgeneral der Karmeliten beschließt eine Visitationsreise durch Spanien. Teresa beschreibt seinen Besuch so:

„Immer residieren unsere Generaloberen in Rom, und noch nie war einer nach Spanien gekommen, und so erschien es als ein Ding der Unmöglichkeit, dass er jetzt käme. Da es aber für das, was unser Herr will, nichts Unmögliches gibt, ordnete es Seine Majestät so an, dass es das, was es noch nie gab, nun doch gäbe.“

Teresa macht sich anfangs Sorgen, ob sie für ihre eigenmächtige Klostergründung Jahre zuvor wohl eine Rüge bekäme. Der Ordensgeneral jedoch ist begeistert von dem, was er von Teresa hört und im Kloster sieht und gibt Teresa den Auftrag, weitere solcher Klöster zu gründen.

„Er freute sich, unsere Lebensweise und ein Abbild des Anfangs unseres Ordens zu sehen, und wie die ursprüngliche Regel in voller Strenge beobachtet wurde, denn im ganzen Orden wurde sie in keinem einzigen Kloster gehalten, sondern nur die gemilderte. Und da er die Absicht hatte, dass dieser Neuanfang sehr verbreitet würde, gab er mir weitreichende Vollmachten, um noch mehr Klöster zu gründen.“

Manchmal spricht Gott zu uns durch Bibelworte oder innere Ahnungen, manchmal – wie hier bei Teresa – durch äußere Umstände. Gibt es aktuell irgendwelche äußeren Umstände oder Entwicklungen, durch die Gott mir etwas sagen oder zeigen will?

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.

Fürbitte

Lebens Liturgien

Folge 133

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Die nächsten Monate und Jahre sind – äußerlich gesehen – die ruhigsten Lebensjahre Teresas. Sie lebt im Kloster San José, betet, schweigt, arbeitet, schreibt und verbringt Zeit mit ihren Mitschwestern. Ihre erste große Autobiografie, die sog. Vida, neigt sich in dieser Zeit dem Ende zu. Kurz vor Ende des Buches fügt sie noch ein Kapitel über Fürbitte ein.

„Als ich eines Tages den Herrn anflehte, jemandem, dem ich mich verpflichtet fühlte, das Augenlicht wiederzugeben, empfand ich großes Mitleid mit ihm, fürchtete aber, dass der Herr wegen meiner Sünden nicht auf mich hören würde. Da erschien er mir und sagte mir, dass ich nicht daran zweifeln sollte, dass er erfüllen würde, worum ich ihn bat; dass er mir verspräche, dass ich ihn um nichts bäte, was er nicht tun würde, denn er wisse schon, dass ich ihn um nichts bitten würde, was nicht zu seiner Ehre wäre, und dass er folglich auch tun würde, worum ich ihn jetzt bat. Ich glaube, es waren noch keine acht Tage vergangen, da gab der Herr diesem Menschen das Augenlicht wieder.“

Teresa beschreibt, wie sie während ihrer Gebetszeiten und während ihres inneren Betens immer wieder um einzelne Menschen ringt: manchmal um Menschen, die schwer erkrankt sind, manchmal um Menschen, die sich von Gott entfernt haben und auf Abwege geraten sind. Und immer wieder erlebt sie, dass Gott ihre Gebete erhört.

„Anfangs machte mir das arge Skrupel, weil ich nicht anders konnte als zu glauben, dass es der Herr aufgrund meines Gebetes tat – abgesehen von der Hauptsache, dass es aufgrund seiner Güte geschah. Mittlerweile aber bedrückt es mich nicht mehr, dies zu glauben, sondern ich preise Seine Majestät und fühle mich beschämt, weil ich sehe, dass ich noch mehr in seiner Schuld stehe. Auch lässt es mich meines Erachtens in der Sehnsucht wachsen, ihm zu dienen, und es wird die Liebe belebt.“

Das Geheimnis der vielen Gebetserhörungen, die sie erlebt, versucht sie so in Worte zu fassen:

„Am meisten erstaunt mich, dass ich den Herrn nicht um Dinge bitten kann, von denen er sieht, dass sie unangebracht sind, auch wenn ich möchte; wo ich doch bei anderen Dingen, die der Herr tun will, erlebe, dass ich oftmals und ganz inständig darum bitten kann.
Es besteht ein großer Unterschied zwischen diesen beiden Arten des Bittens, so dass ich nicht weiß, wie ich das erklären soll. Denn auch wenn ich im ersten Fall bitte (wiewohl ich in mir nicht dieselbe Begeisterung fühle, wie in anderen Fällen, selbst wenn es mich sehr angeht), so ist es wie bei jemandem, der sich die Zunge zerbricht, denn obwohl er sprechen möchte, kann er es nicht. Im anderen Fall ist es wie bei einem, der klar und hellwach zu jemandem spricht, von dem er sieht, dass er ihm gern zuhört. Das eine erbittet man, sagen wir jetzt einmal, als mündliches Gebet, das andere in so tiefer Kontemplation, dass einem der Herr in einer Art und Weise gegenwärtig ist, bei der man erkennt, dass er uns versteht und Seine Majestät sich freut, dass wir ihn darum bitten und er uns einen Gefallen tut.“

Bei welchen Anliegen und Menschen, für die ich bete, spüre oder ahne ich, dass Gott selbst dieses Gebet bei mir in Auftrag gegeben hat und dass diese Gebete Gottes Willen entsprechen und er sie erhören will und wird? In der Stille bete ich für diese Anliegen und Menschen.

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.