Hartnäckig, die Zweite

Lebens Liturgien

Folge 193

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Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

Wir bleiben noch eine kleine Weile beim Gleichnis Jesu vom Richter und der Witwe:

Jesus wollte seinen Jüngern zeigen, dass sie unablässig beten sollten, ohne sich entmutigen zu lassen. Deshalb erzählte er ihnen folgendes Gleichnis: »In einer Stadt lebte ein Richter, der nicht nach Gott fragte und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe. Sie kam immer wieder zu dem Richter und bat ihn: ›Verhilf mir in der Auseinandersetzung mit meinem Gegner zu meinem Recht!‹ Lange Zeit wollte der Richter nicht darauf eingehen, doch dann sagte er sich: ›Ich fürchte Gott zwar nicht, und was die Menschen denken, ist mir gleichgültig; aber diese Witwe wird mir so lästig, dass ich ihr zu ihrem Recht verhelfen will. Sonst bringt sie mich mit ihrem ständigen Kommen noch zur Verzweiflung.‹

(Lukas-Evangelium 18,1-5)

„Sonst bringt sie mich mit ihrem ständigen Kommen noch zur Verzweiflung.“ Diese Übersetzung ist fast ein wenig geglättet. Ganz wörtlich übersetzt erzählt Jesus den inneren Monolog des Richters nämlich so: „Wenn ich auch Gott nicht fürchte und vor keinem Menschen mich scheue, so will ich doch, weil diese Witwe mir Mühe macht, ihr Recht verschaffen, damit sie nicht am Ende kommt und mir ins Gesicht schlägt.“ Das griechische Wort für „Ins Gesicht schlagen“ oder auch „unter die Augen hauen“ stammt aus der Boxersprache und lässt vor dem inneren Auge die Szene entstehen, wie eine unbedeutende, schwache Witwe öffentlich auf der Straße einem skrupellosen Richter eine reinhaut. Bäm!

Mit diesem Schluss kommt in das Gleichnis eine gute Portion Komik hinein – die Zuschauer werden mit Sicherheit geschmunzelt, manche sogar schallend gelacht haben. Durch diese Komik schafft Jesus eine Distanz zu dem Gleichnis, die dazu dient, den Richter keinesfalls mit Gott zu verwechseln. Was hängenbleibt und mitgeht, ist die wunderbar dreiste, einfach nicht nachlassende Hartnäckigkeit der Witwe als Vorbild für unser Beten.

Jesus ruft uns also zu: „Bete! Ausdauernd! Wieder und wieder! Glaub nicht, dass es mit einem kurzen Gebet alleine bereits getan ist. Beten heißt häufig: dicke Bretter bohren. Einen langen Atem haben. Hartnäckig sein. Gott in den Ohren liegen. Nicht lockerlassen. So lange immer wieder bei Gott aufkreuzen, bis er das Gebet erhört hat.

In der Stille tue ich das und kreuze wieder einmal mit dem Anliegen vor Gott auf, von dem ich mir letzte Folge vorgenommen habe, besonders hartnäckig zu sein.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Hartnäckig beten

Lebens Liturgien

Folge 192

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Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

Wie in den letzten beiden Folgen gehört, ist Gebet im Reich Gottes eine wesentliche Art und Weise, wie wir Reich-Gottes-Wirklichkeit gestalten können. Ein Weg, wie Gutes von Gott her Gestalt annimmt und sich entfaltet in unserer Welt.

Leider ist es mit einmaligem Gebet oft nicht getan. Um dies zu verdeutlichen, erzählt Jesus einmal mehr ein Gleichnis:

Jesus wollte seinen Jüngern zeigen, dass sie unablässig beten sollten, ohne sich entmutigen zu lassen. Deshalb erzählte er ihnen folgendes Gleichnis: »In einer Stadt lebte ein Richter, der nicht nach Gott fragte und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe.

(Lukas-Evangelium 18,1f.)

Jesus entwirft eine Geschichte von zwei Kontrahenten. Auf der einen Seite steht ein einflussreicher, bestechlicher, skrupelloser Richter, auf der anderen Seite eine Witwe. Verwitwete Frauen gab es zur Zeit Jesu viele, die meisten von ihnen hatten nach dem Tod ihres Mannes weder genügend Geld, noch ein soziales Netz, noch gesellschaftliche Fürsprecher. Vor Gericht galten sie als so unbedeutend, dass sie in eigener Person nicht einmal auftauchen durften. Entsprechend oft wurden Witwen vor Gericht benachteiligt und entsprechend chancenlos scheint die Ausgangslage für die Witwe in dem Gleichnis Jesu. Doch eine einzige Sache macht den Unterschied und wendet das Blatt zugunsten der Witwe: ihre Hartnäckigkeit.

Sie kam immer wieder zu dem Richter und bat ihn: ›Verhilf mir in der Auseinandersetzung mit meinem Gegner zu meinem Recht!‹ Lange Zeit wollte der Richter nicht darauf eingehen, doch dann sagte er sich: ›Ich fürchte Gott zwar nicht, und was die Menschen denken, ist mir gleichgültig; aber diese Witwe wird mir so lästig, dass ich ihr zu ihrem Recht verhelfen will. Sonst bringt sie mich mit ihrem ständigen Kommen noch zur Verzweiflung.‹

(Lukas-Evangelium 18,3-5)

Allein die Hartnäckigkeit macht den Unterschied.

In der Stille komme ich mit Gott über mein vorhandenes oder nicht vorhandenes Talent zur Hartnäckigkeit ins Gespräch und nehme mir ein Gebetsanliegen vor, mit dem ich vor Gott immer wieder auftauchen will.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Beten – warum eigentlich?

Lebens Liturgien

Folge 191

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

Gott gibt gerne, haben wir letzte Folge gehört. Aber er will auch gebeten sein:

Bittet, und Gott wird euch geben; sucht, und er lässt euch finden; klopft an, und er öffnet die Tür! Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.

(Matthäus-Evangelium 7, 7f.)

Warum eigentlich? Warum spielt das Bitten eine solch große Rolle? Weiß Gott nicht bereits vorher und vermutlich viel besser, was wir wirklich brauchen? Warum brauchen Gott, Welt und Reich Gottes ausgerechnet unser Gebet?

C. S. Lewis hat seine Antwort so formuliert:

„Wenn Gott wollte, könnte er unseren Leib auch ohne Nahrung erneuern oder uns ohne die Hilfe der Gelehrten lehren oder die Heiden ohne Missionare bekehren. Stattdessen aber erlaubt Gott den Böden, dem Wetter, den Tieren, den Muskeln, dem Geist und dem Willen des Menschen, bei der Ausführung seines Willens mitzuwirken.“

(C. S. Lewis)

C.S. Lewis lenkt unseren Blick also auf die sichtbare Schöpfung Gottes. Dort ist es so, dass Vieles unser Mittun braucht. Vom Zähneputzen über die Landwirtschaft oder den Hausbau bis hin zur Regierung eines Landes gilt: wenn wir Menschen es nicht tun, passiert entweder nichts oder viel Ungutes. Gott wäre durchaus in der Lage, all dies für uns zu tun. Aber er tritt einen Teil seiner Kreativität, seiner Verantwortung und seiner Schöpferkraft an uns ab. Er erschafft uns „zu seinem Bilde“ und legt etwas von seiner göttlichen Würde und von seinen göttlichen Möglichkeiten in unsere zerbrechlichen, nicht immer besonders gut funktionierenden Hände. Blaise Pascal spricht hier von der „Würde der Ursächlichkeit“: Gott hat uns Menschen die Möglichkeit geschenkt, Dinge initiieren zu können.

„Nichts scheint Gott selbst zu tun, was er irgendwie seinen Geschöpfen übertragen kann. Er befiehlt uns, langsam und stümperhaft das zu tun, was er vollkommen und in einem Augenblick tun könnte. Wir sind niemals bloße Empfänger oder Zuschauer, sondern sind gezwungen, an der Arbeit mitzuwirken beziehungsweise genießen das Vorrecht, im Spiel mitzutun.“

(C. S. Lewis)

Gott hat also nicht nur die sichtbare Welt so eingerichtet, dass wir Menschen darin etwas bewirken können und sollen; Gott hat auch die unsichtbare Welt so eingerichtet, dass wir Menschen darin etwas bewirken können und sollen. Wenn Jesus uns also aufträgt zu beten „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe“, dann ist dieses Gebet nicht etwa heimlich sinnlos (weil Gottes Reich eh kommt und sich durchsetzt), sondern Gott braucht dieses unser Gebet, damit sein Reich auch wirklich kommt und sein Wille auch wirklich geschieht.

In der Stille trete ich vor Gott für eine Sache ein, bei der ich mir sicher bin, dass er sie will. Ich bete mit Blick auf diese Sache: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe.“

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Der gute Vater

Lebens Liturgien

Folge 190

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Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

Gebet ist ein unabdingbarer Bestandteil von Gottes gutem Reich. Zum einen ist Gebet Beziehung, Intimität: „Geh in dein Zimmer und schließ die Tür, denn dort im Verborgenen ist Gott ganz gegenwärtig“, empfiehlt Jesus deshalb. Jesus selbst hat sich regelmäßig zu dieser Form der Gemeinschaft mit Gott zurückgezogen und Gott dort mit „Abba“, Papa, himmlischer Vater angeredet. Jesus hatte eine solche Innigkeit mit Gott, dass er sagen konnte: „Ich und der Vater sind eins.“ Gebet ist also zum einen Beziehung. Das Reich Gottes ereignet sich in der innigen Beziehung und Begegnung mit Gott.

Zugleich ist Gebet eine wesentliche Weise des Handelns in Gottes gutem Reich, ein Weg, wie Gutes von Gott her Gestalt annimmt und sich entfaltet. Aus diesem Grund sagt Jesus:

Bittet, und Gott wird euch geben; sucht, und er lässt euch finden; klopft an, und er öffnet die Tür! Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Würde jemand unter euch denn seinem Kind einen Stein geben, wenn es ihn um ein Stück Brot bittet? Würde er ihm denn eine Schlange geb en, wenn es ihn um einen Fisch bittet?
So abgründig Vieles in euerem Herzen auch sein mag, so wisst ihr doch, was gute Gaben für eure Kinder sind, und gebt sie ihnen auch. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten! 

(Matthäus-Evangelium 7, 7-11)

Stein statt Brot, Schlange statt Fisch. Dass Eltern ihren kleinen Kindern Schlange mit Stein vorsetzen, wenn diese sie um etwas zu essen bitten, ist – Gott sei Dank – eher Stoff für Märchen als Realität. Kein seelisch halbwegs gesunder Vater und keine seelisch halbwegs gesunde Mutter käme auch nur auf den Gedanken. Dafür empfinden wir viel zu viel Liebe für unsere Kinder, ihr Hunger und ihre Bitten rühren uns an, wir wollen ihnen Gutes tun, sie stärken.

Jesus sagt: Genau so wie Euch geht es auch Gott. Auch Gott, euer liebender himmlischer Vater, lässt sich gerne bitten, er wartet mit offenen Armen und mit Händen voller guter Gaben.

Bittet, und Gott wird euch geben; sucht, und er lässt euch finden; klopft an, und er öffnet die Tür! Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Würde jemand unter euch denn seinem Kind einen Stein geben, wenn es ihn um ein Stück Brot bittet? Würde er ihm denn eine Schlange geb en, wenn es ihn um einen Fisch bittet?
So abgründig Vieles in euerem Herzen auch sein mag, so wisst ihr doch, was gute Gaben für eure Kinder sind, und gebt sie ihnen auch. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten! 

(Matthäus-Evangelium 7, 7-11)

In der Stille komme ich mit Gott darüber ins Gespräch, wie leicht oder schwer es mir fällt, Jesus diese Worte zu glauben.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Wertvoll

Lebens Liturgien

Folge 189

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Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

Oder wie ist es, wenn eine Frau zehn Silbermünzen hat und eine davon verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: ›Freut euch mit mir! Ich habe die Münze wiedergefunden, die ich verloren hatte.‹ 

(Lukas-Evangelium 15,8-10)

Das eigentliche Wort, die eigentliche Bezeichnung für die hier angesprochene Münze lautet: „Drachme“. Das Interessante ist: die Forschung kann nicht sicher sagen, ob die Drachme für die Frau in dem Gleichnis nun eigentlich wertvoll war oder nicht. Der Grund: Der Wert der Drachme in der Antike schwankte gewaltig. Es gab Zeiten, in denen man für fünf Drachmen einen Ochsen kaufen konnte. Die Frau hätte demnach den Gegenwert von einem Fünftel Ochsen irgendwo im Haus verloren, was vor allem für ärmere Menschen ein herber Verlust gewesen wäre.

Es gab allerdings auch Zeiten, in denen dem Silber der Drachme viel unedles Metall beigemischt war – teils durch kriminelle Münzfälscher, teils durch den Staat selbst, der durch diese Form der inflationären Geldvermehrung seine Staatsschulden in den Griff zu bekommen versuchte. In solchen Zeiten war die Drachme nur sehr wenig wert.

Ich finde diesen schwankenden Wert der Drachme ein charmantes Bild. Auch wir schwanken ja in dem, welchen Wert wir uns zumessen. Je nach Laune und Lebenserfolg empfinden wir uns mal als mehr und mal als weniger wertvoll. Auch mit Blick auf andere Menschen ist das Bild von dem schwankenden Wert der Drachme aussagekräftig. Denn nicht jeder Mensch für uns gleich wertvoll: manche haben für uns überragenden Wert, sind uns zutiefst kostbar. Andere Menschen sind uns weitgehend egal, gleichen einer Silbermünze zu Inflationszeiten.

Für Gott haben sowohl wir als auch alle Menschen um uns herum einen Wert, der von nichts und niemandem zu übertreffen ist. Und das liegt daran, dass bei Gott nicht unser Lebensinhalt oder unsere Lebenserrungenschaften unseren Wert bestimmen, sondern die Liebe Gottes zu jedem und jeder Einzelnen von uns. Es ist die unermessliche, unauslöschbare, alles überwindende Liebe Gottes, die jedem von uns einen unermesslichen Wert verleiht und die dazu führt, dass im Reich Gottes alle Menschen gleich wertvoll sind.

Oder wie ist es, wenn eine Frau zehn Silbermünzen hat und eine davon verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: ›Freut euch mit mir! Ich habe die Münze wiedergefunden, die ich verloren hatte.‹ 

In der Stille lasse ich mir von Gott einen Menschen zeigen, dem ich zu wenig Wert zubillige.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Die Suche

Lebens Liturgien

Folge 188

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Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

Oder wie ist es, wenn eine Frau zehn Silbermünzen hat und eine davon verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: ›Freut euch mit mir! Ich habe die Münze wiedergefunden, die ich verloren hatte.‹ Ich sage euch: Genauso freuen sich die Engel Gottes über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

(Lukas-Evangelium 15,8-10)

Ich mag, wie liebevoll und detailliert Jesus hier vom Suchen und Finden der Frau erzählt:

Oder wie ist es, wenn eine Frau zehn Silbermünzen hat und eine davon verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: ›Freut euch mit mir! Ich habe die Münze wiedergefunden, die ich verloren hatte.‹ 

Ich mag besonders, wie Jesus das Suchen beschreibt. Die Häuser waren damals klein, einstöckig und dunkel, da sie Schutz vor Hitze, Wind und Kälte bieten sollten und es Glasfenster noch nicht gab. Die Frau muss für ihre Suche also eine Öllampe anzünden, die wenigen Möbel zur Seite rücken oder hochheben, in jede Ecke hineinleuchten und gründlich einmal, vielleicht sogar zweimal das Haus durchkehren. Sorgfältig und Meter für Meter arbeitet sie sich durch ihr kleines Haus, bis es irgendwann endlich beim Kehren klimpert. Sie bückt sich, leuchtet mit der Lampe ins Dunkle – und tatsächlich: da blitzt etwas. Da blitzt die kleine, verlorene Silbermünze. Erleichtert und glücklich nimmt sie die Silbermünze in die Hand, säubert sie, hält sie ins Licht und eilt dann zu ihren Freundinnen und Nachbarn, um ihre Freude mit ihnen zu teilen.

Genau so gründlich und ausführlich müssen wir uns Gottes Suche nach seinen verlorenen Menschen vorstellen. Nach denen, die sich von ihm entfernt haben, die sich verloren haben in irgendeinem Schmerz oder irgendeiner Gier, die herausgefallen sind aus dem guten Leben. Ich will glauben, dass Jesus jedem und jeder von ihnen nachgeht, mit langem Atem, liebevoll, hartnäckig, einfallsreich und unendlich geduldig.

In der Stille bringe ich einen Menschen, der sich verloren und von Gott entfernt hat, vor Jesus und bete, dass Jesu Suche zu seinem Ziel kommt und die Engel Gottes in Jubel ausbrechen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Die arme Frau

Lebens Liturgien

Folge 187

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Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

Das verlorene Schaf und die verlorene Silbermünze: Jesus erzählt mit diesen beiden Gleichnissen von seiner eigenen Such-Leidenschaft und seiner Finde-Freude. In Gleichnis vom verlorenen Schaf wählt er mit dem suchenden und findenden Hirten ein recht klassisches theologisches Bild. „Der Herr ist mein Hirte …“ Es fällt leicht, Jesus mit dem Hirten zu identifizieren.

In seinem zweiten Gleichnis tut er dagegen etwas Seltsames: er erzählt von seiner Such-Leidenschaft und seiner Finde-Freude in der Gestalt einer armen Frau. Das ist zutiefst ungewöhnlich:

Oder wie ist es, wenn eine Frau zehn Silbermünzen hat und eine davon verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat?

(Lukas-Evangelium 15,8)

Ich möchte heute mal nur an dieser einen Beobachtung stehen bleiben. Jesus erzählt von sich selbst, von seinem großen Suchen und Finden in der Gestalt einer armen, gerade einmal zehn Silbermünzen besitzenden Frau, die in einer dunklen, fensterlosen Hütte ihr Dasein fristet.

Ich behaupte: Jesus tut das absichtlich. Er verteidigt seinen bevorzugten Aufenthaltsort bei den Armen, den Kranken und den Randsiedlern, indem er von der Münz-Suche einer armen Frau erzählt. Jesus irritiert absichtlich. Ich vermute: um an allzu gewissen Gottesbildern zu rütteln und an allzu gewissen Überzeugungen, wie gelungenes, richtiges, gutes Leben auszusehen hat. Jesus will, dass wir es uns mit dem Reich Gottes und mit Gott nicht zu einfach machen. Dass wir innerlich so wach und geistlich beweglich sind, dass wir Gott sowohl durch die Linse eines Hirten wie auch durch die Linse einer armen Frau entdecken können. Dass wir erkennen, wie unfassbar viele Seiten und Eigenschaften Gott hat.

Welche Seite Gottes habe ich in der letzten Zeit neu entdeckt? Wo hat Gott mich überrascht? In der Stille komme ich mit Gott darüber ins Gespräch.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Prioritäten setzen

Lebens Liturgien

Folge 186

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

In der letzten Folge haben wir miteinander darüber gestaunt, dass der große Universums-Hirte trotz seiner aktuell gut acht Milliarden Schafe ausgerechnet uns – jeden und jede Einzelne von uns – liebevoll und aufmerksam im Blick hat und uns nachgeht, sich kümmert, uns befreit und trägt.

Das gilt allerdings nicht nur für uns. Das gilt auch – vielleicht sogar vor allem – für die Menschen um uns, die uns Mühe machen.

Gehen wir noch einmal zurück zum Ausgangspunkt dieser Erzählung Jesu. Auslöser ist dies hier:

Jesus war ständig umgeben von Zolleinnehmern und anderen Leuten, die als Sünder galten; gerade sie wollten ihn hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten waren darüber empört. »Dieser Mensch gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen!«, sagten sie.

(Lukas-Evangelium 15,1f.)

Diese Worte aus dem Mund der Pharisäer beschreiben eine recht interessante Einseitigkeit im Leben Jesu. Auf der einen Seite gilt wie im berühmten Johannes 3,16-Zitat beschrieben: „So sehr hat Gott die Welt geliebt …“. Gottes Liebe gilt jedem Menschen, überall, zu jeder Zeit, immer. Gottes schöpferische Liebe ist es ja, die überhaupt erst Leben ermöglicht, die dich, mich und jeden und jede andere aus dem Nichts hervorliebt. Jesus liebt jeden und jede Einzelne der mittlerweile knapp über acht Milliarden Menschen weltweit.

Und doch hat Jesus seine Zeit auf Erden erstaunlich ungleich – manche würden sagen: ungerecht – verteilt. Die Gruppe der Mächtigen, der Bedeutenden und der Rechtschaffenen hat wenig abbekommen von Jesu Aufmerksamkeit und Gesellschaft. Die Klugen, die Reichen und die, deren Leben gelungen ist, haben Jesus selten zu Gesicht bekommen.

Warum eigentlich? Waren sie allesamt zu stolz, zu selbstzufrieden, satt und innerlich unbeweglich, um offen zu sein für Jesus und sein gutes, himmlisches Reich? Vielleicht …

Vielleicht musste Jesus aber auch einfach Prioritäten setzen. Zu seiner Menschlichkeit gehörte sein Begrenzt-Sein. Jesus konnte immer nur an einem Ort zugleich sein, er hatte immer nur Kraft für 12-16 Stunden am Tag. Jesus konnte zu seinen Lebzeiten also gar nicht für alle da sein, er musste klar auswählen, Jesus musste priorisieren.

Und während wir dazu tendieren, unsere begrenzte Zeit möglichst mit angenehmen Menschen zu verbringen, hat Jesus voll auf das Gegenteil gesetzt. Jesus war mit Vorliebe da, wo Krankheit, Armut und Einsamkeit geherrscht haben. Er hat die Gemeinschaft von Menschen gesucht, denen ihr Leben irgendwie misslungen war, die falsche Lebensentscheidungen getroffen hatten oder denen vom Schicksal übel mitgespielt worden war.

Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?

(Lukas-Evangelium 15,4)

Zur Menschlichkeit Jesu gehörte sein Begrenzt-Sein und zu seinem Begrenzt-Sein, dass er priorisieren musste. Für welche Menschen war es am wichtigsten, dass er bei ihnen war? Welche Menschen brauchten ihn am dringendsten?

In der Stille lasse ich mir von Gott zeigen, wer mich – heute und in den nächsten Tagen – am dringendsten braucht.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Das seltsame Handeln des Hirten

Lebens Liturgien

Folge 184

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

Da erzählte ihnen Jesus folgendes Gleichnis: »Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ›Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.‹ Ich sage euch: Genauso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.«

(Lukas-Evangelium 15, 3-7)

Ich hänge noch ein wenig an dem recht unsinnig erscheinenden Gleichnis vom verlorenen Schaf. Es wirft mehr Fragen auf als es löst. Es gehört zur rauen Wirklichkeit eines Hirten, dass Schafe kommen und gehen. Mal werden ein paar Lämmer geboren, dann wieder reißt ein Wolf ein paar der Schafe oder ein Schaf erkrankt schwer und stirbt. Der natürliche Kreislauf des Lebens. Schaf kommt, Schaf geht. Kein Grund, für ein einzelnes Schaf so einen Aufstand zu machen.

Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?

(Lukas-Evangelium 15,4)

Die ehrliche Antwort auf diese Frage lautet: „Nein. Tut er nicht!“ Das, was Jesus hier erzählt, ist unnormal, außergewöhnlich. Normal und gewöhnlich wäre, diesen Verlust hinzunehmen und auf die restlichen Schafe so gut wie möglich aufzupassen.

Aktuell leben etwas mehr als 8 Milliarden Menschen auf dieser Erde. Eine unendlich große Herde von Menschen auf einem Planeten, der lediglich ein verschwindend winziger Teil des unendlich großen Universums ist. Acht Milliarden Menschen, die auf diesem winzigen Punkt Erde kommen und gehen, die entstehen und wieder verschwinden. Müsste dem großen Universums-Hirten ein einzelnes Menschenleben nicht vollkommen gleichgültig sein?

Was Jesus hier von sich selbst und von Gott erzählt, ist vollkommen unnormal und außergewöhnlich:

Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ›Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.‹ 

(Lukas-Evangelium 15, 3-7)

In der Stille lasse ich auf mich wirken, was Jesus hier vom großen Universums-Hirten erzählt. Er sieht mich. Liebt mich. Kümmert sich. Geht mir nach. Befreit mich aus Gestrüpp und Dornen. Trägt mich nach Hause. Das ist Reich Gottes.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

Finde-Freude

Lebens Liturgien

Folge 183

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu LebensLiturgien, Staffel 5: „Gleichnisse – wie Gottes Reich kommt“. Denn das ist das große Thema von Jesus: dass Gottes Reich kommt, wie es kommt und wie es in ihm zugeht. In immer neuen Geschichten und Vergleichen bringt Jesus uns und unsere Welt in Berührung mit Gottes beglückend-irritierend-anderer Welt. Er erzählt dazu von Einbrechern, Weingärtnern und Witwen, von Weizenkörnern, Sauerteig, Reichtum und plötzlichem Tod. In den LebensLiturgien lassen wir uns von Jesus mit hineinnehmen: in diese Geschichten und in das Kommen seines Reiches, seiner Wirklichkeit

Zu Beginn lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Du, Herr, bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und in meinem Herzen.
Du, Herr, bist nah. Näher als mein Atem und mein Herzschlag. Näher als ich mir selbst bin.
Du, Herr, bist Wirklichkeit. Wirklicher noch als alle Freude, Schmerz oder Sorge.
Du, Herr, bist hier. Jetzt. Und schaust mich liebevoll an.

Wir hören Worte, in denen Jesus Gottes Reich beschreibt – und wie wir in ihm leben können.

Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen und die Friedensstifter. Denn sie werden die Erde besitzen und Kinder Gottes genannt werden.

Verzichtet also darauf, Böses mit Bösem zu vergelten. Haltet lieber die andere Wange hin.

Betet, dass Gottes gutes Reich kommt und sein Wille geschieht. Trachtet immer und überall zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit – dann wird Gott euch alles Übrige dazugeben.

Sorgt euch um nichts! Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde. Fragt euch nicht ständig: „Was wollen wir essen, anziehen oder kaufen?“ Sammelt euch lieber Schätze im Himmel und teilt, was Ihr habt, mit den Armen.

Wenn Ihr betet, tut es mit einfachen, ehrlichen Worten. Und wenn Ihr anderen Gutes tut, dann tut es mit Demut und Liebe.

Verurteilt und richtet niemanden, denn selig sind die Barmherzigen und die, die arm sind vor Gott.

(Aus Matthäus, Kapitel 5-7)

Das mit dem Reich Gottes ist also – wie wir in den letzten 26 Folgen gemerkt haben – eine komplexe Geschichte. Es beginnt winzig klein, kann aber gewaltige Ausmaße annehmen. Es kann unglaublich viel Frucht bringen, aber auch verdorren oder ersticken. Es braucht unser ganzes Mittun und kommt doch von ganz alleine. Es ist reines Geschenk und fordert doch ganzen Lebenseinsatz. In ihm ist für alle gesorgt und doch bleibt es oft ungerecht – zumindest hier auf Erden.

Apropos ungerecht: Ungerechtigkeit und Einseitigkeit, genau das war eines der zentralen Dinge, die die religiöse Elite damals Jesus vorwarf. Jesus war so furchtbar oft bei denen zu finden, die es am wenigsten verdient hatten:

Jesus war ständig umgeben von Zolleinnehmern und anderen Leuten, die als Sünder galten; gerade sie wollten ihn hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten waren darüber empört. »Dieser Mensch gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen!«, sagten sie.

(Lukas-Evangelium 15,1f.)

Normalerweise reagiert Jesus auf solch pharisäische Angriffe selbst angriffslustig. Hier jedoch versucht er, die Angreifer zu gewinnen, sie mit hineinzunehmen in seine Perspektive, in sein Fühlen und Handeln.

Da erzählte ihnen Jesus folgendes Gleichnis: »Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ›Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.‹ Ich sage euch: Genauso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.«

(Lukas-Evangelium 15, 3-7)

Es gibt meines Erachtens zwei Gründe, warum man nach etwas sucht. Entweder hat das Verlorene einen ökonomischen Wert (davon erzählt Jesus uns im anschließenden Gleichnis von dem verlorenen Groschen), oder aber wir hängen irgendwie an dem, was verloren gegangen ist: ein Kuscheltier von früher, der erste Liebesbrief, unser Lieblings-Buch, … Wenn uns etwas wirklich ans Herz gewachsen ist, tun wir uns schwer, wenn es plötzlich verschwindet.

Auf den ersten Blick ist hier beim Hirten weder das eine noch das andere der Fall. Weder ist das eine Schaf ökonomisch so bedeutsam, dass sich eine aufwendige Suche lohnt, noch wird der Hirte eine hohe emotionale Bindung zu jedem einzelnen seiner hundert Schafe gehabt haben. Jesus erklärt (zumindest an dieser Stelle) mit keinem Wort, warum der Hirte sich zu seiner großen Suche aufmacht, sondern konzentriert sich ganz auf das Finden. Das Finden und die Freude darüber. Sie sind der Antrieb für Jesu Reich-Gottes-Mission:

Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ›Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.‹ Ich sage euch: Genauso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.

(Lukas-Evangelium 15, 3-7)

Wann habe ich das letzte Mal intensiv und erfolgreich nach etwas Verlorenem gesucht – vielleicht nach meinem Geldbeutel oder meinem Handy? In der Stille empfinde ich dieses Suchen noch einmal nach – inklusive der großen Erleichterung und der Finde-Freude am Ende.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag in dem Vertrauen und mit der Bitte, dass Gottes Reich kommt:

Herr, mein Gott, öffne meine Augen für deine Wirklichkeit:
für das, was du tust und für das, was du heute durch mich tun willst.
Lass dein Reich kommen und deinen guten Willen geschehen –
wie im Himmel, so in unseren Parlamenten und den Konzernzentralen unserer Wirtschaft genauso wie in unseren Schulen, Gefängnissen, Altersheimen und Kirchen.
Und natürlich auch in meinem Leben.
Sende zu all dem deinen Heiligen Geist,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.