Psalm 17 – Teil III

Lebens Liturgien

Folge 92

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Höre mich an, HERR! Denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!
Achte auf mein Schreien! Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr!
Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft,
in der Nacht hast du erforscht, was in mir vorgeht;
du hast mich wie Metall im Feuer geläutert –
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Nun rufe ich zu dir, denn du erhörst mich, o Gott.
Schenk mir ein offenes Ohr und höre auf mein Gebet!
Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.
Bewahre mich durch deine starke Hand vor den Menschen, HERR,
die alles Begehrenswerte allein von dieser vergänglichen Welt erwarten.
Sie rechnen nicht mit dem Unheil, das du für sie aufgespart hast!
Ich aber werde dein Angesicht sehen, weil ich nach deinem Willen lebe.
Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

Die folgenden Worte sind das vielleicht schönste Gebet um Schutz, das es gibt:

Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.

Da spricht ein großes Vertrauen in Gott aus diesen Worten … aber auch ein großes Selbstvertrauen. Da bittet einer Gott, ihn wie den göttlichen Augapfel zu behandeln und zu bewahren. Aus diesen Worten spricht die große Gewissheit: „Ich bin Gott wichtig! Ich bin kostbar für Gott. An meinem Wohlergehen hat Gott massives Interesse.“

Angelus Silesius, Mystiker aus dem 17. Jahrhundert, hat diese Überzeugung in folgende Worte gepackt: „Ich weiß, dass ohne mich Gott nicht einen Augenblick kann leben: Werd ich zunicht, er muss von Not den Geist aufgeben.“ Karl Barth, der große Theologe, hat diese Worte mal eine „fromme Unverschämtheit“ genannt.

Wie schätze ich meine eigene Wichtigkeit für Gott ein? Für wie kostbar halte ich mich vor Gott?

Freiraum

Ich gebe zu, dass mich bei den Worten von Angelus Silesius ein gewisses Unbehagen befällt. Wir leben in hochindividualisierten Zeiten, lernen von klein auf, dass die Welt sich um uns dreht … oder sich zumindest um uns drehen sollte. Wir konsumieren täglich alle möglichen perfekt auf uns zugeschnittenen Angebote – und manchmal konsumieren wir sogar andere Menschen. Ist da die Gefahr nicht groß, dass wir auch Gott nur konsumieren? Dass wir zuerst und vor allem uns, unser Leben und unsere Bedürfnisse sehen und wollen, dass Gott sich ganz um uns dreht?

Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.

Und doch steckt in diesen Worten eine tiefe Wahrheit: wir sind Gott unendlich wichtig. Wir sind unvorstellbar kostbar für Gott. Gott will und kann nicht ohne jeden und jede Einzelne von uns leben. Seine Liebe lässt ihn immer neu Anlauf nehmen, unser Herz zu gewinnen. Wir sind Gott so kostbar wie sein eigener Augapfel.

In der Stille prüfe ich, welche Worte ich aktuell stärker hören muss: dass ich Gott nicht konsumieren darf, dass Gott nicht mein Diener ist? Oder dass ich Gott so kostbar und wichtig wie sein Augapfel bin, dass mein Wohlergehen Gott ein Herzensanliegen ist?

Freiraum

Höre mich an, HERR! Denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!
Achte auf mein Schreien! Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr!
Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft,
in der Nacht hast du erforscht, was in mir vorgeht;
du hast mich wie Metall im Feuer geläutert –
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Nun rufe ich zu dir, denn du erhörst mich, o Gott.
Schenk mir ein offenes Ohr und höre auf mein Gebet!
Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.
Bewahre mich durch deine starke Hand vor den Menschen, HERR,
die alles Begehrenswerte allein von dieser vergänglichen Welt erwarten.
Sie rechnen nicht mit dem Unheil, das du für sie aufgespart hast!
Ich aber werde dein Angesicht sehen, weil ich nach deinem Willen lebe.
Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)

Psalm 17 – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 91

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Höre mich an, HERR! Denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!
Achte auf mein Schreien! Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr!
Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft,
in der Nacht hast du erforscht, was in mir vorgeht;
du hast mich wie Metall im Feuer geläutert –
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Nun rufe ich zu dir, denn du erhörst mich, o Gott.
Schenk mir ein offenes Ohr und höre auf mein Gebet!
Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.
Bewahre mich durch deine starke Hand vor den Menschen, HERR,
die alles Begehrenswerte allein von dieser vergänglichen Welt erwarten.
Sie rechnen nicht mit dem Unheil, das du für sie aufgespart hast!
Ich aber werde dein Angesicht sehen, weil ich nach deinem Willen lebe.
Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

Mit Christen, die ständig ihr eigenes Sünder-Sein betonen, habe ich meine Mühe. Ein dankbares, demütiges Selbstbewusstsein und ein Vertrauen auf die Kraft des Geistes Gottes erscheinen mir da hilfreicher und angemessener.

Aber selbst mir stockt der Atem bei Worten wie diesen:

Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Ich aber werde dein Angesicht sehen,
weil ich nach deinem Willen lebe.

Ich frage mich: kann der Beter dieses Psalms diese Worte wirklich ernst gemeint haben? Denn es ist doch so: unsere Selbstbezogenheiten und Egoismen bahnen sich ihren Weg selbst in unsere besten und heiligsten Momente hinein. Niemals sind unsere Motive so voll und ganz rein, durch und durch heilig und gut. Wir können uns dem Heiligen und Guten immer nur annähern.

In der Stille erinnere ich mich an einen Moment, in dem ich ziemlich gut und heilig gehandelt habe und danke Gott dafür. Im Anschluss überlege ich, wo vielleicht selbst hier bestimmte eigene Bedürfnisse und Egoismen befriedigt wurden. Wie immer gilt: wenn die Zeit dafür nicht ausreicht: einfach die Pause-Taste drücken …

Freiraum

Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Ich aber werde dein Angesicht sehen,
weil ich nach deinem Willen lebe.

Es gibt nur einen einzigen Menschen in der gesamten Menschheitsgeschichte, der diese Worte voll und ganz aufrichtig beten kann: Jesus. Nur er lebte durch und durch gut. Nur bei ihm war es unmöglich, etwas Verwerfliches zu finden.

Nur Jesus kann aus seinem Leben einen Anspruch an Gott ableiten: den Anspruch, dass Gott ihn hört, sich ihm zuwendet und ihn annimmt. Den Anspruch, dass Gott sich mit ihm umgibt.

Und tatsächlich: Jesus stellt all diese Ansprüche an Gott – und öffnet sie für uns. Jesus tritt mit seinem Durch-und-durch-Gut-sein für uns ein und bewirkt, dass Gott uns hört, sich uns zuwendet und uns annimmt. Dass Gott sich mit uns umgibt.

In der Stille lobe und danke ich Jesus für seine Großzügigkeit und seinen Einsatz für mich.

Freiraum

Höre mich an, HERR! Denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!
Achte auf mein Schreien! Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr!
Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft,
in der Nacht hast du erforscht, was in mir vorgeht;
du hast mich wie Metall im Feuer geläutert –
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Nun rufe ich zu dir, denn du erhörst mich, o Gott.
Schenk mir ein offenes Ohr und höre auf mein Gebet!
Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.
Bewahre mich durch deine starke Hand vor den Menschen, HERR,
die alles Begehrenswerte allein von dieser vergänglichen Welt erwarten.
Sie rechnen nicht mit dem Unheil, das du für sie aufgespart hast!
Ich aber werde dein Angesicht sehen, weil ich nach deinem Willen lebe.
Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)

Psalm 17 – Teil I

Lebens Liturgien

Folge 90

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Höre mich an, HERR! Denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!
Achte auf mein Schreien! Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr!
Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft,
in der Nacht hast du erforscht, was in mir vorgeht;
du hast mich wie Metall im Feuer geläutert –
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Nun rufe ich zu dir, denn du erhörst mich, o Gott.
Schenk mir ein offenes Ohr und höre auf mein Gebet!
Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.
Bewahre mich durch deine starke Hand vor den Menschen, HERR,
die alles Begehrenswerte allein von dieser vergänglichen Welt erwarten.
Sie rechnen nicht mit dem Unheil, das du für sie aufgespart hast!
Ich aber werde dein Angesicht sehen, weil ich nach deinem Willen lebe.
Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

Meine erste Reaktion auf diesen Psalm: „Oh nein! Nicht schon wieder! Schon wieder ein Hilferuf an Gott. Und schon wieder ein doch arg selbstbewusster Blick auf das eigene Leben und die eigene Gerechtigkeit.

Höre mich an, HERR! Denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!
Achte auf mein Schreien! Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr!
Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!

Aber zumindest mit Blick auf meinen Vorwurf, dass doch wirklich sehr viele Psalmen recht ähnlich klingen und Gebetsworte sich wiederholen, gilt: Wiederholen nicht auch wir manche Gebete wieder und wieder? Gebete um Schutz oder Kraft oder Hilfe oder Gelingen …

Welche Gebete wiederholen sich in meinem Leben wieder und wieder? Worum bitte ich Gott häufig?

Freiraum

Nicht nur die Psalmen, auch Jesus ermutigt uns zu wiederholtem Beten und Bitten. Einmal vergleicht Jesus Gott mit einem ungerechten Richter, der einer Witwe erst Recht schafft, als diese wieder und wieder und wieder vor ihm auftaucht und ihn dazu auffordert.

Robert Spaemann schreibt: „Warum dieses Wieder und Wieder? Nun: Wir können Gottes Gaben nur empfangen, wenn wir uns Gott gegenüber in die Haltung des Empfangenden begeben haben. Die gelegentlich einmal geäußerte Bitte, die innerhalb unserer vielen Worte nur eine Beiläufigkeit ist, ist nicht von der Art, dass wir unser ganzes Wesen in sie hineinlegen. Dazu bedarf es der Wiederholung, des Wieder und Wieder, in welchem der Mensch sich allmählich ganz in eine einzige Bitte verwandelt, ganz zum Gefäß für Gottes Gabe wird.“

Welches Anliegen ist mir so wichtig, dass ich dafür bereit bin, Gott wieder und wieder darum zu bitten?

Freiraum

Höre mich an, HERR! Denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!
Achte auf mein Schreien! Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr!
Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft,
in der Nacht hast du erforscht, was in mir vorgeht;
du hast mich wie Metall im Feuer geläutert –
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Nun rufe ich zu dir, denn du erhörst mich, o Gott.
Schenk mir ein offenes Ohr und höre auf mein Gebet!
Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.
Bewahre mich durch deine starke Hand vor den Menschen, HERR,
die alles Begehrenswerte allein von dieser vergänglichen Welt erwarten.
Sie rechnen nicht mit dem Unheil, das du für sie aufgespart hast!
Ich aber werde dein Angesicht sehen, weil ich nach deinem Willen lebe.
Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)

Psalm 16 – Teil IV

Lebens Liturgien

Folge 89

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

Der Schluss dieses Psalms schillert. Man kann ihn diesseitig verstehen. Vielleicht war der Psalmbeter ernsthaft erkrankt, hatte zwischenzeitlich mit dem Tod zu kämpfen. Dann aber, in einem Moment der Gottesbegegnung und tiefer Liebe zu Gott, wächst in ihm das Vertrauen:

Auch mein Körper wird sicher ruhen. Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht! Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.

Er hofft also auf Heilung. Er ahnt in seinem Inneren: das wird gut ausgehen! Gott wird mich ins Leben zurückkehren lassen.

Gibt es in meinem Leben oder im Leben von Menschen, die mir nahestehen, bedrohliche Krankheit? Ich bete zu Gott um Heilung und um seine Nähe. Denn wo er ist, hört die Freude nie auf. Aus seiner Hand kommt ewiges Glück.

Freiraum

Man kann die Schlussworte dieses Psalms also diesseitig verstehen. Und doch schwingt so viel mehr mit. Es sind Worte, die weit über unser irdisches Leben hinausweisen, sie sind zu groß für unser begrenztes, zerbrechliches Hier und Jetzt. Ich höre in ihnen Worte aus dem Neuen Testament wie diese:

„Was in die Erde gelegt wird, ist vergänglich, was auferweckt wird, unvergänglich. Was in die Erde gelegt wird, ist hinfällig, was auferweckt wird, voll bleibender Kraft. Wo also ist dein Sieg, Tod? Wo ist dein Stachel?« Lob und Dank sei Gott, der uns durch Jesus Christus, unseren Herrn, den Sieg gibt über die Sünde und über den Tod!“ (aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 15)

Oder diese Worte hier:

„Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Teufel, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges – nichts, aber auch gar nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.“ (aus Kapitel 8 des Römerbriefes)

In der Stille meditiere ich die nie endende Liebe Gottes zu mir. Stelle mir vor, wie Gott nie aufhört, mich zu lieben. Wie er seine Liebe durchhält, auch über meinen Tod hinaus. Und wie seine Liebe mich schließlich noch einmal neu schafft: mich auferweckt aus dem Tod und mich in seiner ewigen Liebe wohnen lässt.

Freiraum

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)

Psalm 16 – Teil III

Lebens Liturgien

Folge 88

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

„Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres. Ich habe den Herrn allezeit vor Augen.“ Schon seit jeher rühren diese Worte an eine tiefe Sehnsucht: an die Sehnsucht, sich Tag und Nacht mit Gott verbunden zu wissen. Allezeit zu beten. Die Verbindung mit Gott nicht abreißen zu lassen.

Von den Christen der ersten Jahrhunderte wird berichtet, dass viele von ihnen nachts zum Gebet aufstanden, weil ihnen eine ganze Nacht ohne Aufblick zu Gott zu lang war. In Klöstern läutet die Gebetsglocke von morgens bis abends mehrmals (zum Teil sogar nachts), um zum Gebet zu rufen. Und Frank Laubach, ein Mystiker aus dem letzten Jahrhundert, entschloss sich zu dem Versuch, in jeder wachen Minute mindestens eine Sekunde an Gott zu denken.

In der Stille spüre ich meiner Sehnsucht nach, mich Tag und Nacht mit Gott verbunden zu wissen. An welchen Punkten des Tages und auf welche Weise verbinde ich mich bewusst mit Gott?

Freiraum

Bruder Lorenz, ein Mönch aus dem 17. Jahrhundert, übte sich ein Leben lang in dem Bewusstsein der Gegenwart Gottes. Besonders seine Arbeit war für ihn eine große Herausforderung: 15 Jahre lang war er als Koch für das Essen von bis zu 100 Personen verantwortlich – eine Arbeit, gegen die er von Anfang an eigentlich einen Widerwillen hatte. Bruder Lorenz übte sich darin, selbst in dieser stressigen und eigentlich ungeliebten Aufgabe die Verbindung zu Gott nicht abreißen zu lassen.

Vor der Arbeit betete er folgendermaßen: „Mein Gott, da du bei mir bist und ich meinen Geist auf deine Anordnung hin äußeren Dingen zuwenden muss, bitte ich dich um die Gnade, während dieser Aufgabe bei dir bleiben zu können und dir Gesellschaft zu leisten, damit alles zum Besten verläuft. Mein Herr: arbeite mit mir zusammen, nimm meine Arbeit an und akzeptiere all meine Zuneigung.“ Und dann arbeitete er und unterhielt sich während der Arbeit weiterhin beständig und vertrauensvoll mit Gott.

Über seine Sehnsucht nach direkter Gottesbegegnung und Gottesberührung sagte er: „Gott selbst hat sich auf den Grund unserer Seele gemalt. Wir aber wollen ihn dort nicht sehen. Wir verlassen ihn für Oberflächlichkeiten und zieren uns, uns mit unserem König zu unterhalten, der ständig in uns gegenwärtig ist.“

In der Stille wiederhole ich für mich die Worte aus Psalm 16: „Ich habe den Herrn allezeit vor Augen.“ Zeigt Gott mir eine Weise, wie und wo ich mich öfter mit ihm unterhalten und verbinden kann?

Freiraum

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)

Psalm 16 – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 87

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

Was passiert eigentlich, wenn wir Gott nicht lieben, wenn wir unser Herz nicht an Gott hängen, unser Glück irgendwo anders suchen?

Nun: dann hängt sich unser Herz eben an irgendetwas oder irgendjemand anderen. Dann lieben wir stattdessen den Konsum, oder das Abenteuer, oder den beruflichen Aufstieg. Dann klammern wir uns mit aller Kraft an die Welt oder einzelne Menschen und erwarten unser Glück von dort.
Nur: leider vergeblich. Es sättigt nicht recht, dieses Glück. Bleibt allzu flüchtig. Fordert einen hohen Preis.

Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.

In der Stille schaue ich achtsam und wach auf mein Leben: an wem oder was hängt mein Herz? Wovon erwarte ich mir Glück?

Freiraum

Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!

Hier kommt zweierlei in den Blick. Zum einen Gott als Geber aller guten Gaben. Er teilt uns zu, was wir brauchen: Gesundheit, Kinder, gutes Essen, guter Schlaf, ausreichend Geld zum Leben, eine gute Netflix-Serie zum Abschalten … all das trägt zu unserer Zufriedenheit bei, schenkt uns frohe, glückliche Momente. Gott selbst schenkt sie uns, lässt sie uns genießen.

In dem Moment jedoch, wo wir beginnen, all das anzubeten, unser Leben ganz um diese Gaben herum aufzubauen, verflüchtigt sich das Glück und wird schal. Hinzu kommt, dass all die guten Gaben jederzeit wegbrechen und ausbleiben können.

Wir brauchen Gott also nicht nur als den Geber guter Gaben. Wir brauchen Gott als Gott selbst. Als Gott, den wir lieben, an dem wir uns freuen, von dem wir uns faszinieren und lieben lassen, mit dem wir ringen und dem wir uns anvertrauen. Wir brauchen die Herzensverbindung zu dem, der uns geschaffen hat, der uns durch und durch liebt und der uns als einziges bleiben wird.

Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst.

In der Stille versuche ich, meinen inneren Blick einmal nicht auf Gottes Gaben zu richten, sondern auf Gott selbst. Versuche, ihn zu lieben, mich an ihm zu freuen, mich von ihm faszinieren und lieben zu lassen.

Freiraum

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)

Psalm 16 – Teil I

Lebens Liturgien

Folge 86

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

„Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht.“
Mit diesen Worten eröffnet der Beter Psalm 16. „Bewahre mich, Gott …“ Ein Gebet nicht nur für schwierige Zeiten, sondern für alle Zeiten: unser Leben ist und bleibt zu jeder Zeit zerbrechlich. Ob unser Aufwachen am Morgen, eine unfallfreie Autofahrt, ein weiterer Tag ohne Herzinfarkt, Krieg oder bitterbösen Streit: nichts davon ist selbstverständlich. Alles ist immer neu Geschenk, Bewahrung.

In der Stille danke ich Gott für alle Bewahrung, die ich in den letzten Tagen erlebt habe und bitte um Segen und Bewahrung auch für den heutigen Tag.

Freiraum

Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«

Im Grunde ist Psalm 16 ein einziges leuchtendes, lockendes Kunstwerk der Liebe zu Gott. Er zeigt, welche Schönheit in einem Lebensstil liegt, den Jesus so beschreibt: „»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben – von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Verstand und mit all deiner Kraft!’« (Markus 12,30).

Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen.
Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

In der Stille gebe ich meiner Liebe zu Gott Raum. Versuche Gott zu lieben: von ganzem Herzen und mit ganzer Seele.

Freiraum

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)

Psalm 15 – Teil IV

Lebens Liturgien

Folge 85

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Noch ein letztes Mal beschäftigen uns heute die Worte aus Psalm 15:

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

In der letzten Folge haben wir uns den hohen Wert der Wahrhaftigkeit für ein heiliges und gutes Leben angeschaut. Ein anderer Bereich, den der Psalm anspricht, ist unser Umgang mit Geld und Besitz.

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.

Im damaligen Kontext sind diese beiden Anweisungen hoch bedeutsam, denn weder gab es ein landesweites Banken- noch ein landesweites Justizsystem. Alles wurde im Nahbereich gelöst. Es war also entscheidend wichtig, Notlagen von armen Nachbarn nicht durch hohe Zinssätze auszunutzen oder sich in gerichtlichen Streitigkeiten aufgrund von Geschenken auf die Seite der reichen und mächtigen Nachbarn zu schlagen.

Für uns stellt sich hier die Frage, wie wir mit unserem Besitz umgehen. Jesus und Paulus würden sagen: Das, was wir haben, gehört uns eigentlich gar nicht. Paulus fragt an einer Stelle mal: „Was hast du, was du nicht zuvor empfangen hast?“ (1. Kor 4,7) Zumindest die Voraussetzungen für unseren Besitz haben wir uns nicht verdient: unsere Arbeitskraft, unsere Gesundheit, unsere Willenskraft und unsere Intelligenz: alles Geschenk. Dazu das Geborenwerden in einem vergleichsweise reichen und sicheren Land mit vielen Möglichkeiten und Chancen: reine Gnade.

In der Stille danke ich Gott für alles, was ich habe und bin und mache mir bewusst: es ist alles Geschenk.

Freiraum

Wenn alles, was wir sind und haben, Geschenk ist, ist Großzügigkeit die einzig angemessene Reaktion. In seiner Bergpredigt fordert Jesus uns dementsprechend auf: „Wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, gib ihm auch noch den Mantel. Wenn dich jemand zwingt, eine Meile mitzugehen, geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir etwas borgen will.“ (Matthäus 5, 40-42)

Wir sollen also großzügig geben und leihen, ohne uns davon Vorteile zu erwarten.

In der Stille lasse ich mir von Gott zeigen, wer meine Großzügigkeit gerade besonders braucht.

Freiraum

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)

Psalm 15 – Teil III

Lebens Liturgien

Folge 84

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Psalm 15

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

In den letzten beiden Folgen lag der Fokus stark auf der Heiligkeit Gottes und unserer eigenen Unheiligkeit, unserer eigenen Unreinheit. Was aber sollen dann all die exemplarischen Beschreibungen, wie ein gutes und gerechtes Leben aussieht, wenn wir sie doch nie ganz erfüllen können? Wenn wir – trotz aller Bemühungen – nicht so viel heiliges Leben zustande bringen, dass wir damit selbstbewusst vor Gott auftauchen können? Wollen uns all diese Beschreibungen einfach nur demütig halten?

Auf jeden Fall: Demut ist gut. Sie wollen aber noch etwas anderes: sie wollen Sehnsucht nach einem heiligen Leben wecken und unsere Aufmerksamkeit auf konkrete Lebensbereiche lenken, in denen wir diese Sehnsucht in heiliges – oder zumindest heiligeres – Leben verwandeln können.

In welchen Bereichen meines Lebens verspüre ich eine besondere Sehnsucht nach einem heiligeren Leben? Ich erbitte von Gott den Willen und die Kraft hierfür.

Freiraum

Ein Bereich, den der Psalm anspricht, ist der der Wahrhaftigkeit:

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Wahrhaftigkeit ist eine Grundvoraussetzung für heiliges, gutes Leben und dafür, dass wir Gott begegnen können. Denn nur wenn wir aufrichtig, wenn wir ehrlich sind, sind wir auch wirklich wir selbst. In dem Moment, wo wir uns verstellen und eine Fassade aus Halbwahrheiten errichten, erschaffen wir eine Art Pseudo-Ich. Dann erschaffen wir eine Person, die wir nicht sind, die es im Grunde überhaupt nicht gibt. Alle Beziehungen, die wir als diese Pseudo-Person zu anderen Menschen aufbauen, bleiben dann unecht, unwahrhaftig. Und Gott begegnen wir nie, denn wir selbst halten uns ja beständig hinter unserem Pseudo-Ich versteckt.

In der Stille mache ich mich vor Gott ehrlich. Lasse meine Masken fallen. Halte ihm mein Herz und meine Gedanken so hin, wie sie gerade sind.

Freiraum

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)

Psalm 15 – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 83

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Psalm 15

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

Gott ist heilig. So heilig, dass wir nicht ohne Weiteres vor ihm auftauchen können. Das Volk Israel hat zur Zeit des ersten Tempels deshalb regelmäßig reine Tiere für seine eigene Unreinheit geopfert. Die Idee dahinter: es fand in diesem Opfer ein heiliger Wechsel statt. Die Unreinheit der Menschen ging auf das Tier über und wurde in den Tod gegeben. Auf diese Weise fand Entsühnung, Ent-Schuld-igung statt – die so gereinigten, geheiligten, gerecht gemachten Menschen konnten es nun wagen, in die heilige, gerechte und gute Gegenwart Gottes zu treten.

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?
Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Was hindert mich aktuell, in die Gegenwart Gottes zu treten? Wo habe ich Entsühnung, Entschuldigung nötig?

Freiraum

Der Autor des Hebräerbriefs schreibt über Jesus: „Jesus kann alle, die durch ihn zu Gott kommen, vollkommen retten (…). Denn er war und ist ein Hohepriester, der vollkommen heilig und ohne Sünde ist, an dem Gott nichts auszusetzen hat (…). Er muss nicht Tag für Tag Opfer darbringen wie die Hohen Priester vor ihm. Er muss auch nicht zuerst für die eigenen Sünden und dann für die des ganzen Volkes opfern. Nein, er hat das ein für alle Mal getan, als er sich selbst zum Opfer brachte.“ (Hebräer 7,25-27) Ein paar Kapitel später schreibt er: „Wir haben also jetzt freien und ungehinderten Zugang zum wirklichen Heiligtum, liebe Geschwister. Jesus hat ihn durch sein Blut für uns eröffnet. (…) Deshalb wollen wir mit aufrichtigem Herzen voller Vertrauen und Zuversicht in die Gegenwart Gottes treten. Denn unser Herz wurde ja mit dem Blut von Christus besprengt. Damit ist unser Gewissen von Schuld befreit und unser Körper mit dem Reinigungswasser gewaschen.“ (Hebräer 10, 19-22)

In der Stille lasse ich diese vielleicht etwas befremdlichen, aber heilvollen Bilder auf mich wirken. Jesus als Opfer, dessen Tod und Blut mich entsühnen, entschuldigen. Die Reinheit, mit der Jesus mich dadurch beschenkt. Der freie und ungehinderte Zugang zum Heiligtum, in die Gegenwart Gottes.

Freiraum

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)